Den dreckverspritzten Audi des 17-Jährigen zog am Donnerstag ein Kran aus einem Waldstück an der A95. © Dominik Bartl
Eschenlohe – Das Rätsel um den mysteriösen Audi in einem Waldstück bei Eschenlohe im Kreis Garmisch-Partenkirchen ist gelöst. Schleierfahnder hatten das Auto am Donnerstagmittag dort hinter den Büschen zufällig entdeckt – und wiedererkannt. Ein spezieller Schwerlastkran der Feuerwehr Garmisch barg das Auto, damit die Grenzpolizei Murnau es sicherstellen konnte. Den sichtlich dreckverspritzten grünen Audi A6 Quattro hatte dort im Wald jemand bewusst abgestellt, um ihn vor den Ermittlern zu verstecken. Das bestätigte ein Sprecher der Grenzpolizei unserer Zeitung am Freitag auf Nachfrage. Mehr Details zu dem ominösen Fall konnten allerdings wegen der laufenden Ermittlungen nicht bekannt gegeben werden.
Jetzt hat der Sprecher bestätigt, dass es sich tatsächlich um den Audi gehandelt hat, dessen Fahrer sich am Dienstagabend einer Kontrolle in Seehausen skrupellos entzogen hatte. „Dieser war über Wiesen und Felder Richtung Murnau geflüchtet“, so der Sprecher. „Mit derart überhöhter Geschwindigkeit, dass die eingesetzten Beamten die Flucht abbrechen mussten, um keine Menschenleben zu gefährden.“ Schnell stellte sich heraus: Die Kennzeichen des flüchtigen Audis waren ungültig.
Also ermittelte die Grenzpolizei wegen „Urkundenfälschung“ – und stellte den Zufallsfund im Wald auf Verdacht sicher. Die Ermittler spürten den Besitzer des Audis auf: einen 17-jährigen Jugendlichen aus Eschenlohe. „Bei einer Vernehmung gab der junge Mann nach Zögern zu, bereits mehrfach mit dem Fahrzeug gefahren zu sein, auch am Abend des besagten Dienstags – obwohl er noch nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist“, berichtet der Sprecher. Deshalb habe er auch keine Lust gehabt, sich kontrollieren zu lassen, und lieber die Flucht ergriffen.
Der 17-Jährige hatte eine Taktik: Um im Straßenverkehr nicht aufzufallen, hatte er Kennzeichen vom Schrottplatz gestohlen und Zulassungsplaketten sowie HU-Plaketten am Computer gefälscht, ausgedruckt und auf den Kennzeichen angebracht. Die Grenzpolizei konnte ihm noch zwei weitere Autos zuordnen und sicherstellen. Bei einem hatte er wieder gestohlene Kennzeichen und nachgeahmte Plaketten angebracht. Taktisch unklug war das Versteck im Wald, das er sich nach seiner riskanten Flucht am Dienstag ausgesucht hatte. Dort, nahe der A95, kontrollieren die Schleierfahnder regelmäßig. Gegen den 17-Jährigen laufen jetzt mehrere Strafanzeigen: wegen Urkundenfälschung, Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis und illegalen Kraftfahrzeugrennen.
CORNELIA SCHRAMM