Zehntausende bei Protesten auf der Straße

von Redaktion

Dutzende Demonstrationen gegen Rechtsextremismus am Wochenende in Bayern

In Nürnberg ist Schild mit der Aufschrift „Die Brandmauer muss bleiben!“ zu sehen. © dpa

20 000 Menschen demonstrierten in Regensburg mit Plakaten gegen Rechts. © Haubner/NEWS5

An die Kinder von Indersdorf erinnerten Demo-Teilnehmer in Dachau. In Indersdorf wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Kinder aus den KZs und NS-Heimen versorgt. © Norbert Habschied

Dachau/Regensburg – Zehntausende Menschen haben am Wochenende in Bayern gegen den wachsenden Einfluss rechtsextremer und populistischer Parteien demonstriert. Die größte Demonstration fand gestern in Regensburg statt. Dort kamen nach Angaben der Polizei rund 20 000 Menschen unter dem Motto „Die Brandmauer sind wir“ zusammen. In Augsburg waren tags zuvor 4500 Menschen auf die Straße gegangen. Sie hielten Transparente in die Höhe, auf denen Botschaften wie „Nie wieder ist jetzt!“ standen.

In Würzburg waren bis zu 5000 Menschen bei einer „Demo für Demokratie“ in der Innenstadt unterwegs. Am Bahnhof war ein Infostand der AfD aufgebaut, gegen den sich ein Gegenprotest bildete. Es sei zu mehreren Eierwürfen in Richtung des AfD-Standes gekommen, teilte die Polizei mit. Ein Ei traf einen Polizisten, der unverletzt blieb. Gegen den bekannten Täter werde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Durch einen weiteren Eierwurf wurden Flyer des Infostandes verschmutzt – das läuft unter Sachbeschädigung.

Auch in anderen Städten, darunter Kempten, Erlangen, München, Nürnberg und Passau, gab es Demonstrationen und Kundgebungen mit hunderten Teilnehmern. In Dachau erinnerten die rund 3000 Demonstrierenden unter dem Motto „Demokratie braucht Vielfalt“ auch an die Kinder von Indersdorf. In der Gemeinde wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Kinder versorgt, die zuvor in Konzentrationslagern und in NS-Heimen waren. Einige Demonstrierende hatten sich Fotos jener Kinder um den Hals gehängt.

Anlass für die Demonstrationen ist auch die Politik von Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz, der Anträge und einen Gesetzesentwurf im Bundestag zur Abstimmung gestellt hatte, obwohl er wusste, dass eine reale Chance auf Zustimmung nur mit den Stimmen der AfD-Abgeordneten gegeben war. Ein Entschließungsantrag wurde mit den Stimmen unter anderem der AfD angenommen. Ein Gesetzentwurf mit verschärften Regelungen zur Migration war am Freitag dagegen nach langer Debatte gescheitert, als mehrere CDU-Abgeordnete nicht abgestimmt und so eine Mehrheit verhindert hatten.
DPA/ZIM

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