Hans-Otto Schmid aus Schongau. © Hans-Helmut Herold
Es sind gerade emotionale Tage für Hans-Otto Schmid. Seit Jahrzehnten arbeitet er als Goldschmied in Schongau, kommende Woche wird er den Betrieb schließen und in Rente gehen. Die Reaktionen seiner Kunden überwältigen ihn, erzählt er.
Hans-Otto Schmid ist mit dem Goldschmied-Handwerk aufgewachsen. Sein Großvater war Goldschmied, seine Eltern machten sich mit einem Uhren- und Schmuckfachgeschäft selbstständig. „Ich wuchs in einem Schmuckumfeld auf“, erzählt er. Das hat ihn geprägt, bald stand für ihn fest, dass er das Goldschmied-Handwerk erlernen möchte. 1988 trat er als frisch gekürter Goldschmiedemeister in den Betrieb seiner Eltern ein, 2001 übernahm er das Geschäft. Und kommenden Mittwoch wird er es das letzte Mal aufsperren – und sich dann in den Ruhestand verabschieden. Die Arbeit macht ihm immer noch Freude, betont er. Aber nicht alles wird er vermissen. Die bürokratischen und verwaltungstechnischen Vorschriften zum Beispiel. „Mir ist der Aufwand zu groß, den ich leisten müsste, um als Rentner weiter als Goldschmied zu arbeiten.“
Einen Nachfolger hat Schmid nicht gefunden. Überrascht hat ihn das nicht. „Die Zeiten sind nicht so ideal für vollerwerbliche Goldschmiede in einer Kleinstadt wie Schongau“, sagt er. Von seinen Kunden bekommt er aber ganz überwältigende Reaktionen. Das Bedauern, dass er aufhört, ist groß. Viele hätten aber auch Verständnis.
Am meisten an seinem Beruf geliebt hat Schmid die kreativen Herausforderungen, erzählt er. Aus Kundenwünschen kleine Kunstwerke zu machen, hat ihm genauso viel Spaß gemacht, wie eigene Ideen umzusetzen. Und natürlich gehörten auch viele Reparaturarbeiten zu seinem Alltag. Er erinnert sich an viele glückliche Kunden, die sich freuten, alten Schmuck dank seiner Hilfe wieder tragen zu können. Besonders glücklich machen konnte er Brautpaare, die sich von ihm die Trauringe anfertigen ließen.
Mit dem Ruhestand freut sich Hans-Otto Schmid nun darauf, mehr Zeit für seine Familie zu haben. Er will sich wieder häufiger mit Freunden treffen und Zeit in der Natur verbringen. Dass ihm langweilig werden könnte, kann er sich nicht vorstellen.
ELENA BENEDICT