Führerschein: Fast jeder Zweite fällt durch

von Redaktion

Büffeln für den Führerschein: Die Prüfungen finden digital statt. Fast jeder Zweite fällt durch. © dpa

München – Christian Stadler unterrichtet seit drei Jahrzehnten Fahranfänger in Rottach-Egern am Tegernsee. Nicht nur die Anforderungen für den Führerschein haben sich verändert, sagt er. Sondern auch die jungen Menschen. Es fällt ihm immer wieder auf. „Sie haben einen geringeren Wortschatz und weniger Vorstellungsvermögen“, sagt Stadler. „Gleichzeitig werden die Prüfungsfragen immer komplexer.“ Häufig hat er es mit Fahrschülern zu tun, die versuchen, den Prüfungsstoff auswendig zu lernen. „Das ist nicht Sinn der Sache“, betont er. Und außerdem wenig erfolgreich. Denn vom Computer werden ständig neue Verkehrsszenen generiert. Die Fahrschüler müssen in der theoretischen Prüfung ihr Wissen auf eine bestimmte Situation anwenden. Reines Auswendiglernen reicht dafür nicht.

Das macht sich auch in der bundesweiten Statistik des TÜV-Verbands bemerkbar. Fast jeder Zweite fällt durch die Theorieprüfung für den Auto-Führerschein. Mit 45 Prozent ist die Quote deutlich höher als vor zehn Jahren, damals lag sie bei 35 Prozent. Den unrühmlichen Spitzenplatz der Länder teilen sich Berlin und Sachsen-Anhalt. In Bayern sind 41 Prozent der Fahrschüler durch die theoretische Prüfung gerasselt. Bei der praktischen schneidet Bayern hingegen besser ab als die meisten anderen Bundesländer. Die Durchfallquote von 27 Prozent unterbietet nur Schleswig-Holstein, bundesweit liegt sie bei 30 Prozent.

„Die aktuelle Statistik zeigt, dass auch mehrfaches Scheitern keine Seltenheit ist“, teilte der TÜV-Verband mit. Zwei von fünf Theorieprüfungen für den Auto-Führerschein waren ein Wiederholungsversuch. „Jeder gescheiterte Versuch steigert die mentale Belastung der Betroffenen und führt zu weiteren Kosten“, sagt Richard Goebelt vom TÜV. Immerhin: Nach dem dritten Versuch haben 91 Prozent der Bewerber die Theorieprüfung bestanden, nach dem vierten sind es 96 Prozent. Das Scheitern macht den ohnehin teuren Führerschein noch kostspieliger. Der TÜV-Verband fordert unter anderem elektronische Lernstandskontrollen in den Fahrschulen, um die Quote der Durchfaller zu reduzieren. So könne man sicherstellen, dass Fahrschüler erst dann zur Prüfung antreten, wenn sie ausreichend vorbereitet sind.

Christian Stadler bietet in seiner Fahrschule einzelnen Schülern Hilfe an, wenn er das Gefühl hat, dass sie sich schwertun, die Prüfungsfragen zu verstehen. Aber er würde sich wünschen, dass sich auch an den Prüfungsfragen etwas ändert: dass sie in einfacheren Sätzen formuliert werden. „Damit wären sie auch für ausländische Führerscheinprüflinge einfacher zu verstehen.“ Außerdem findet er, dass viel zu viel technisches Wissen abgefragt wird. „Fahranfänger müssen doch nicht bis ins Detail verstehen, wie ein Bremsassistent funktioniert“, findet er. Wichtiger sei es, dass die Regeln im Straßenverkehr wirklich sitzen. Dafür müsste auch die Zahl der Theoriestunden erhöht werden, fordert er. Aktuell sind für die 20 Themen 14 Unterrichtseinheiten vorgeschrieben. „Es müssten doppelt so viele sein. Aber das würde den Führerschein noch teurer machen.“
(MIT DPA)

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