Immer Ärger mit der SOB

von Redaktion

Pendler-Frust auf der Südostbayernbahn – Warten auf den Ausbau

Wenn der Zug mal wieder zu spät kommt: Leon am Bahnhof Dorfen. © Weingartner

München/Dorfen – „I mog die SOB“, lautet ein beliebter Slogan bei der Südostbayernbahn. Der 17-jährige Leon aus Dorfen (Kreis Erding), Auszubildender, tät die SOB vielleicht auch ganz gern mögen, wie man in Bayern sagt. Aber im Moment überwiegt der Ärger: Im September hat er seine Ausbildung zum Kaufmann für Logistik bei einem Spediteur in München begonnen. Aber er kommt fast regelmäßig zu spät – die Zugverbindung ist unzuverlässig.

25 Minuten von Dorfen nach München Ost wären es regulär, rechnet seine Mutter Andrea Scheidler vor. Tatsächlich sind es häufig 40 Minuten oder noch mehr. Seit Beginn seiner Ausbildung in München vergeht kaum ein Tag ohne Verspätungen der Züge. Seine Mutter sieht sogar seinen Ausbildungsplatz in Gefahr. Sie hat ihren Sohn schon öfter nach Markt Schwaben oder zur Messestadt Ost gefahren. Täglich geht das natürlich nicht. „Es ist ein Trauerspiel“, sagt Andrea Scheidler. Fast schon Routine sind ihre Protestschreiben an die Bahn – aber da habe sie „nur Ausflüchte und Entschuldigungen“ erhalten. Mehrere Schreiben liegen unserer Redaktion vor. Im Ton sind sie sehr freundlich und auch sehr lang – aber Hoffnung auf Besserung machen sie nicht. Man stehe „bereits mit dem verantwortlichen Netzbetreiber im engen Kontakt“ – gemeint ist die DB InfraGo – und fordere „mit Nachdruck Verbesserungen“, heißt es in einem dieser Schreiben. „Zurzeit ist auch der Krankenstand bei unserem Personal sehr hoch, sodass leider immer wieder kurzfristig Züge ausfallen.“

Eine wirkliche Lösung kann die SOB auch nicht anbieten. Die Strecke nach München ist nicht elektrifiziert, die Technik ist veraltet – Weichen und Signale werden in echter Handarbeit gesteuert. Sie ist zudem eingleisig und überlastet – durch die Güterzüge, die vom Chemiedreieck kommen. Ausbau: geplant, aber es dauert.

Ein Weiteres kommt hinzu: Manche Züge halten nicht in Dorfen, sondern fahren ab Mühldorf bis München Ost durch. Die Bahn will so verhindern, dass weitere Mühldorfer Pendler auf die A94 umsteigen – die Autobahn ist ja (im Gegensatz zur Bahn) längst ausgebaut. Für Leon ist der Mühldorf-Express aber ein Nachteil: Will er wirklich nicht zu spät kommen, dann müsste er statt den Zug ab 7.11 Uhr den vorhergehenden nehmen, der aber schon um 6.22 Uhr abfährt. „Dann wäre er eine Stunde zu früh in der Berufsschule oder in der Arbeit“, sagt seine Mutter. Forderungen nach einem 20-Minuten-Takt im Berufsverkehr für ihre Regionalzüge weist die SOB zurück. Das gebe der Fahrplan nicht her. Stattdessen bietet die SOB eine Entschädigung an: 1,50 Euro je Fahrt bei einer Verspätung ab 60 Minuten. Auf schriftlichen Antrag. Nein, sagt Anna Scheidler dazu, „das ist mir den ganzen Aufwand nicht wert“.

Leon hat mittlerweile den Führerschein gemacht und wartet auf den Tag x im November. Dann wird er 18. Er werde danach wohl aufs Auto umsteigen, sagt die Mutter.
DW

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