Gestrandet am Flughafen

von Redaktion

Warnstreik hat einige Reisende überrascht – nicht alle haben Verständnis

Simone Bosi aus Mailand hat sein Meeting per Laptop am Flughafen abgehalten.

Alex und Wendy wollen nach Dublin. Doch ihr Flug wurde gestern gestrichen.

Drinnen nichts los, vor dem Flughafen umso mehr: Die Mitarbeiter demonstrierten. Claudia Weber von Verdi kündigt weitere Streiks an. © Nick Mandel (3)

München – Die große Anzeigetafel am Flughafen ist am Montagmorgen fast leer. Nur ein paar Flüge sind angekündigt, die meisten fallen aus. „Das sieht aus wie während Corona“, sagt ein Mann im Vorbeigehen. Vor dem Airport ist dafür umso mehr los. Dort haben sich etliche Menschen mit Trillerpfeifen und Bannern versammelt. Die Gewerkschaft Verdi hat zum Warnstreik aufgerufen. Nicht nur in München, sondern an 13 deutschen Flughäfen. Die Abflughallen blieben leer, denn die meisten Passagiere hatten rechtzeitig vom Streik erfahren. Bundesweit sind gestern mindestens 3500 Flüge ausgefallen und 560 000 Passagiere nicht an ihr Ziel gekommen.

Der Grund für den Streik ist ein Tarifkonflikt. „Wir wollen acht Prozent mehr Monatsgehalt. Außerdem mindestens 350 Euro mehr pro Monat für untere Lohngruppen, sowie 200 Euro extra Ausbildungsvergütung“, erklärt Claudia Weber, die Geschäftsführerin von Verdi München. Außerdem fordert die Gewerkschaft, dass die Schichtzulagen verbessert werden und drei zusätzliche freie Tage.

Nicht alle haben rechtzeitig eine Alternative gefunden – einige Reisende sind gestern am Flughafen München gestrandet. Zum Beispiel Simone Bosi aus Mailand. Er muss sich vom Airport aus über den Laptop in ein Meeting mit seinen Arbeitskollegen einwählen. Er ist genervt, dass sein Zeitplan komplett durcheinandergekommen ist. „Ich muss hier jetzt noch zwei Stunden auf meine Kollegen warten“, schimpft er.

Ungünstiger läuft es für Alex und Wendy. Die beiden wollen nach Dublin fliegen – doch der Flug wurde gecancelt. „Zuerst wollte man uns eine Nacht in einem Hotel bezahlen. Zum Glück haben wir dann noch einen alternativen Flug für heute mit der Lufthansa bekommen, weil wir morgen wieder arbeiten müssen.“ Trotz allem Ärger verstehen sie das Anliegen der Streikenden, sagen sie. Nicht alle Reisenden haben so viel Verständnis. Tobias Ferdinand schimpft: „Es werden immer mehr Streiks. Büßen müssen das immer die Reisenden.“

Die Luftverkehrsbranche wirft Verdi vor, Warnstreiks als Tarnung für weitreichende Ausstände zu nutzen und Knotenpunkte der Volkswirtschaft gezielt lahmzulegen, sagt der Präsident des Branchenverbandes BDL, Jens Bischof. Claudia Weber von Verdi hingegen kündigte gestern schon die nächste Eskalationsstufe an: „Wir erwarten bei den nächsten Verhandlungen ein gutes Angebot, sonst legen wir noch eine Schippe drauf.“
NICK MANDEL

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