Der angeklagte Arzt im Verhandlungssaal. © Weigel/dpa
Ronja H. starb während ihrer Schicht im Klinikum Kelheim.
Kelheim – Mehr als drei Jahre nach dem Tod von Krankenschwester Ronja H. (23) im Kelheimer Klinikum muss sich ein Oberarzt (50) seit gestern wegen Aussetzung mit Todesfolge vorm Landgericht Regensburg verantworten. Es ist binnen eines Monats schon sein zweiter Gang in Fußfesseln vor das Schwurgericht: Ihm wird auch der Mord an Patient Hans R. (79) mit einer Morphin-Spritze zur Last gelegt (wir berichteten).
Jetzt legt Staatsanwalt Moritz Büchele dem Anästhesisten zur Last, der Krankenschwester die Narkosemittel Propofol und Ketamin gegen ihre Migräne verabreicht und sie danach nicht mehr überwacht zu haben. „Der Angeklagte wird beschuldigt, einen Menschen in eine hilflose Lage versetzt zu haben und dadurch den Tod des Opfers verursacht zu haben“, so der Ankläger. Am Morgen des 15. Dezember 2021 lag Ronja tot im Abklärungsraum.
Zum Auftakt des Verfahrens schlenderte der Arzt noch lächelnd in den Verhandlungssaal. Doch im Laufe seiner Einlassung wurde er ungehaltener: Die Ermittlungsbehörden würden getrieben durch einen „krankhaft besessenen Vater“. Kopfschüttelnd hörte Ronjas Vater Tobias H. (55) im Saal zu – erst durch seine Hartnäckigkeit hatte die Kripo Landshut die Ermittlungen zu Ronjas Tod aufgenommen und war auf weitere verdächtige Todesfälle gestoßen.
Der angeklagte Arzt widersprach wie schon vor vier Wochen im Mord-Prozess den Anschuldigungen: „Ich bestreite als Angeklagter den Vorwurf, auch nur im Ansatz mit dem Tod von Ronja zu tun zu haben.“
Das Propofol sei wohl im Zuge der Wiederbelebungsmaßnahmen in Ronjas Körper gelangt. Im Prozess werden im weiteren Verlauf wohl auch private Chats des Oberarztes und der Krankenschwester eine Rolle spielen.