„Wichtig ist der Erhalt, nicht der Neubau“

von Redaktion

Autobahn-GmbH klagt über nicht finanzierte Sanierungsvorhaben in Südbayern – Hoffen auf Geld aus dem Fonds

Überlastet: Die A8 bei Frasdorf soll dreispurig werden. Es fehlt Geld, außerdem wird geklagt. © Balk/dpa

München – 2577 Kilometer umfasst das Autobahnnetz in Bayern laut ADAC. Und wenn es nach der Autobahn GmbH Südbayern geht, sollen nur noch einige Kilometer dazu kommen. „Wichtig wäre im ganz großen Stil die Erhaltung, nicht der Neubau“, sagt Sprecher Josef Seebacher. „Das Autobahnnetz in Südbayern ist großteils in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut worden und kommt jetzt praktisch gleichzeitig in ein kritisches Alter.“ Bei der Bundesbehörde stapeln sich die Projekte, die noch nicht finanziert sind. Insgesamt geht es um Milliarden. Auch bei der Behörde hofft man auf Geld aus dem geplanten Infrastrukturfonds.

Beispiele gibt es zuhauf. So soll die A3 Nürnberg–Passau stellenweise erneuert werden. Konkret geplant ist der 10,7 Kilometer lange Abschnitt Deggendorf–Hengersberg mit der Donaubrücke Deggenau, die saniert und auf drei Spuren je Richtung verbreitert werden soll. „Das Projekt ist fertig geplant und könnte gut in den Fonds passen“, findet Seebacher. Kostenpunkt: aktuell 307 Millionen Euro, wahrscheinlich aber 400 Millionen.

Ähnlich weit geplant ist der Ausbau der A8 bei Frasdorf – sieben Kilometer zwischen Achenmühle und Bernauer Berg sollen auf drei Spuren inklusive Lärmschutz und Tunnel verbreitert werden. Kosten: knapp 300 Millionen Euro. Allerdings bremst eine Klage des Bund Naturschutz das Projekt gerade aus. Noch etwas länger dauert die Planung für den Ausbau der A99 Kirchheim–Haar auf 18 Kilometern Länge mit Verlängerung der Einschleifspuren zur A94 bei Feldkirchen/Parsdorf. „Wir bereiten gerade die Planfeststellung vor.“ Die Kosten werden momentan auf 700 Millionen Euro geschätzt.

Bei der A92 Essenbach–Dingolfing (22 Kilometer) steht das Baurecht kurz bevor. „Die Autobahn fällt auseinander“, formuliert es Seebacher drastisch. Die erforderlichen 150 Millionen sind derzeit nicht vorhanden – „für uns wäre es ganz wichtig, dass auch Erhaltungsprojekte in den Infrastrukturfonds kommen.“ Weiteres Projekt: die Seitenstreifenfreigabe im Tunnel Allach bis Feldmoching, zusammen mit einer Sanierung von Betriebstechnik und Entwässerung, für insgesamt 170 Millionen Euro. Seebacher nennt den Tunnel „den größten Staupunkt im Münchner Autobahnnetz“.

Ein Neubauprojekt möchte die Autobahnbehörde freilich doch vorantreiben: die A94 in Niederbayern. Der Abschnitt Kirchheim–Pocking ist in Bau, Marktl–Simbach im Genehmigungsverfahren – der Bau würde 170 Millionen kosten. Der Verlauf im Stadtgebiet von Simbach am Inn ist noch umstritten, für die Trasse weiter östlich von Simbach-Ost bis Kühstein läuft das Planfeststellungsverfahren. Für diese letzten fünf Kilometer wären weitere 90 Millionen Euro notwendig.
DW

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