Nachbeben am Nockherberg

von Redaktion

War‘s das für Schafroth? Der Versuch einer Einordnung

Als Mönch: Maxi Schafroth (40) bekam am Mittwoch für seine scharfe Fastenpredigt nur verhaltenen Applaus. © Matzke/Sampics

München – Nockherberg, Mittwochabend, kurz nach 20 Uhr. „Unsäglich“, flüstert ein Münchner Wirt einem Rathaus-Politiker zu. Der nickt und blickt dann wieder Richtung Maxi Schafroth auf die Rednerbühne. Der Allgäuer verabschiedet sich gerade. Mit seinem Lied „Ich brauch Liebe“. Danach gibt es verhaltenen Applaus, keine stehenden Ovationen. Viele Gäste klatschen gar nicht. Mit gesenktem Kopf verlässt der Fastenprediger die Bühne. Hat er grad selber den Gedanken im Kopf, dass das vielleicht sein letzter Auftritt auf dem Nockherberg gewesen sein könnte? Dass es ihm reicht?

Tatsache ist: Viele fanden die Rede des Allgäuers nicht nur schwach, sondern teils banal und boshaft. Auch wichtige Entscheider der Paulaner-Brauerei (die den Abend veranstaltet), sollen nicht glücklich mit der Predigt gewesen sein. Es soll auch der Satz gefallen sein: „Das war’s für den Maxi.“

Fünfmal durfte der Allgäuer bisher ran. Ein sechstes Mal wird er nun vielleicht nicht auf seinen Endgegner CSU losgehen dürfen. Was wohl auch im Sinne von Ministerpräsident Söder sein dürfte: Der war mehr als genervt von den Watschn, die ihm Schafroth immer wieder verpasste. Jedenfalls verließ er wenige Minuten nach dem Singspiel sofort den Nockherberg.

Also das Aus für Schafroth? Das würde aber auch die Frage mit sich bringen: Wer soll‘s dann machen? Die Nockherberg-Rede: Die hat, mit Verlaub, nicht jeder im Kreuz. Irgendeinen Komiker da an die Kanzel zu stellen: unmöglich. Wer kommt da infrage? Helmut Schleich beispielsweise. Der hätte es sicher drauf. Ist nicht zu links (wie Maxi) und auch nicht zu schwarz. Der Schwabinger kennt sich in der Politik aus wie kaum ein Zweiter. Seine Parodien – großartig. Allerdings: Paulaner machte zuletzt, insbesondere mit der Personalie Schafroth, den Eindruck, auf die Jugend zu setzen. Mit 57 Jahren ist der Schleich jetzt kein Jungspund mehr. Nix für unguad!

Womit es auch für die Gruber Moni schlecht aussieht. Die ist zwar erst 53, aber halt scharf rechts abgebogen. Parteilos ist anders. Wobei die Tittenkofenerin sicher hinterfotzig genug wäre, Wortwitz hat sie auch. Ob sie mögen tät, ist wieder eine ganz andere Frage. Claus von Wagner? Guter Mann. Der könnte das schon stemmen – ist aber vielleicht ein bisserl zu intellektuell, zu verspielt.

Vielleicht könnte die Brauerei aber auch einen alten Pfad gehen. Den der Autoren. Heißt: Vorne steht jemand und trägt vor, was versierte Polit-Kenner verfasst haben. So wie der Walter Sedlmayr früher. Dessen Derbleck-Texte schrieb der Burger Hannes. Genauso wie für den Max Grießer und den Erich Hallhuber. Die Schauspieler spielten nur den Redner.

Mit diesem Konzept könnte man vielleicht auch jemanden wie Harry G an der Kanzel platzieren. Jünger (okay, 45), sehr lustig, sehr bayerisch. Die Verbal-Watschn könnt man ihm dann sozusagen in die Hand legen. Das ginge etwa auch mit einem Münchner Tatort-Kommissar. Die müssen ja bald abdanken.

Oder muss wieder eine Frau ran? Das weibliche Geschlecht kann halt herrlich zärtlich abwatschn. Eva Karl Faltermeier als Leviten-Leserin. Luise Kinseher hatte am Mittwochabend ja mehrmals betont, dass sie keinesfalls als Mama zurückkehren werde.

Und was sagt die Brauerei zu der ganzen Debatte? Nix! „Wir lassen das jetzt erst mal alles sacken“, so eine Pressesprecherin. Der Abend sei ein voller Erfolg gewesen. „Bei kabarettistischen Darbietungen mit allen künstlerischen Freiheiten gibt es seit jeher Kritik und Lob sowie unterschiedliche Meinungen.“

Wie jedes Jahr werde man sich – „mit etwas Abstand“ – zusammensetzen und „über die Salvator-Probe 2025 und Ideen für 2026 sprechen“. Eine gute Fernsehquote gab‘s jedenfalls heuer: 1,5 Millionen Bayern schauten den Nockherberg (siehe Kasten). Mit Argus-Augen.

Und vielleicht wollte genau das der Maxi Schafroth ja gar nicht mehr. Hatte er schon innerlich hingeschmissen? Nutzte er seinen letzten Auftritt, um mit Erzgegner Söder so richtig abzurechnen? Sein Handy war gestern ausgeschaltet. Offenbar will er derzeit nur eins: viel Ruhe.
ARMIN GEIER

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