Der Arzt der Stunde Null

von Redaktion

Gespenstische Zeiten: Clemens Wendtner hat als Chefarzt in Schwabing den ersten deutschen Patienten behandelt. © dpa

München – Professor Clemens Wendtner hat als damaliger Chefarzt an der München Klinik Schwabing den ersten Corona-Patienten Deutschlands behandelt und sowohl die bayerische als auch die Bundesregierung während der Pandemie beraten. „Es waren sehr aufregende Zeiten“, erinnert er sich heute zurück.

Dass Corona mehr war als nur eine Grippe, sei wohl auch dem Letzten klar geworden, als es Anfang März 2020 die ersten deutschen Todesfälle gegeben hat. „Da sind viele aufgewacht.“ Wendtner steht auch fünf Jahr später noch dazu: „Der Lockdown war die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt, weil er zur Beruhigung des Infektionsgeschehens nötig war und Schlimmeres verhindert hat.“ Trotzdem war es auch für ihn persönlich teilweise eine befremdliche Situation. „Es war schon gespenstisch. Wir mussten immer einen Passierschein im Fahrzeug oder in der Jackentasche bei uns tragen, um überhaupt zum Krankenhaus zu kommen.“ Den Weg dorthin legte er damals oft zurück – „auch zu Unzeiten, wenn nachts Probleme entstanden sind“.

Eine positive Erfahrung sei gewesen, dass die Menschen bereit gewesen seien, zusammenzuhalten, erinnert sich der Mediziner. „Der Lockdown hat Ärzteschaft und Pflege entlastet, weil die Infektionswellen dadurch langsamer abliefen“, sagt Wendtner. „Dass die Gesellschaft dieses Opfer gebracht hat, haben wir als Solidarität uns gegenüber empfunden.“
HOR

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