Ein Geisterfahrer raste auf mich zu

von Redaktion

Lkw-Fahrer über Schockerlebnis auf der A9

Der Mercedes wird nach der Geisterfahrt abgeschleppt. © Haubner/NEWS5

Ingolstadt – Mittwochabend, gegen 23 Uhr – der Münchner Lkw-Fahrer Stephan Pohl freut sich nach einem langen Arbeitstag auf sein Zuhause, seine Ladung hat er wie so oft nach Hof in Oberfranken gebracht, jetzt geht es wieder zurück auf der A9. Der Berufskraftfahrer steuert gerade seinen Sattelzug an Ingolstadt vorbei, als ein breiter Schwerlasttransporter mit Begleitfahrzeugen in die Autobahn einfährt. „Der ist unmittelbar nach einer Baustelle vor mir hereingezogen. Der Sondertransport war so breit, dass nur noch die ganz linke Spur frei blieb“, sagt der 49-Jährige. Er bleibt mit seinem 40-Tonner hinter dem Konvoi. Es war genau der Zeitpunkt, als ein Geisterfahrer aus dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen über die A9 jagte, in Richtung Ingolstadt und damit auf Stephan Pohl zu.

Und der sieht plötzlich Blaulicht von hinten kommen. „Ich habe im ersten Moment gedacht, dass die Polizei wegen des Schwertransportes kommt. Aber ich habe mich gewundert, warum die so schnell waren.“ Dann geht alles wie im Zeitraffer. „Das Polizeiauto war kurz neben mir.“ Die grellen Blinklichter des Schwertransports nehmen ihm die Sicht. Deshalb sieht er die Scheinwerfer eines Autos erst spät. Doch kein Zweifel: Dieses Licht rast auf der linken Spur frontal auf die Polizei zu! Der Spuk dauert nur Sekunden, und Stephan Pohl weiß erst nicht wirklich, was passiert war.

Mit einem mulmigen Gefühl fährt der Münchner weiter. Das Gefühl täuschte ihn nicht: Nur kurz vorher hatte ein Mercedes SEL auf der Autobahn auf Höhe Rastplatz Baarer Weiher gewendet, der 66-Jährige hinterm Steuer drückte auf die Tube – mit der Tochter (41) neben ihm und als Geisterfahrer. Eine BMW-Fahrerin (34) konnte nicht mehr ausweichen und wurde touchiert. Ihr BMW schleuderte gegen ein anderes Auto. Dennoch fuhr der Mann weiter, obwohl sein Auto schwer demoliert war.

Dann passierte ein zweiter Unfall: Ein 23-Jähriger machte eine Vollbremsung. Es kam zu einem Auffahrunfall mit Blechschaden. Nach sechs Kilometern gelingt es der Verkehrspolizei schließlich, den Mann auf Höhe Ingolstadt-Süd zu stoppen. Vater und Tochter machten einen verwirrten Eindruck und kamen in eine Klinik. Dass es bei der Geisterfahrt nur eine Leichtverletzte gab, grenzt an ein Wunder. Und auch Stephan Pohl wird erst später, als er die Unfallbilanz liest, bewusst, wie viel Glück hier im Spiel war.
MARKUS CHRISTANDL

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