„Psychopaten“-Zoff im Jagdverband

von Redaktion

Verbandspräsident Weidenbusch unterliegt vor Gericht seinem früheren Gegenkandidaten

Jagdverbands-Präsident Ernst Weidenbusch (r.) beim Landesjägertag 2022. Im Hintergrund Konkurrent Ernst-Ulrich Wittmann. © Matthias Balk/dpa

München – Nach den Vorkommnissen der vergangenen Jahre darf man nur hoffen, dass Ernst Weidenbusch und Ernst-Ulrich Wittmann einander nicht mit geladener Flinte im Wald begegnen. Die beiden Jäger fechten seit Langem einen Kleinkrieg aus, sie kämpften um den Vorsitz im Bayerischen Jagdverband und standen sich schon mehrmals vor Gericht gegenüber. So oft, dass Richter Bernhard Zeller vom Landgericht München I am Donnerstag von der „soundsovielten Neuauflage” spricht.

Die allerdings dauert gerade einmal eine Stunde und endet mit einem klaren Urteil: Weidenbusch, Präsident des Bayerischen Jagdverbands (BJV), darf über Wittmann, Vorsitzender des Dachauer Jägervereins, nicht mehr verbreiten, dass man ihn ohne Weiteres einen Psychopathen nennen darf.

Schon vom Wortlaut her klingt das Münchner Urteil einigermaßen bizarr. Dasselbe gilt für die Vorkommnisse, die die beiden Jagdmänner an diesen Punkt gebracht haben. Scheinbar geht es um eine Kleinigkeit: Auf der Jagdmesse Grünau in Neuburg an der Donau im Oktober 2022 kam es zwischen Wittmann und Weidenbusch an einem Stand zum lauten Showdown „über die Frage des Verzehrs von Brezn”, wie das Gericht vorab mitteilte. Dabei soll der BJV-Präsident seinen Kontrahenten als „Psychopathen” bezeichnet haben. Daraufhin erstattete Wittmann Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ermittelte, stellte das Verfahren jedoch ein, und zwar wegen geringer Schuld. Dass die Äußerung gefallen war, daran zweifelt die Behörde nicht, wie sie in einer Pressemitteilung klarstellte.

Weidenbusch legt das anders aus. In der aktuellen Klage, die Wittmann erhoben hat, geht es um eine Veranstaltung in Dachau vom Januar. Dort soll Weidenbusch gesagt haben, er habe Wittmann wegen seines provokanten Verhaltens auf der Messe mit Recht einen Psychopathen nennen dürfen. Doch damit habe er die Mitteilung der Staatsanwaltschaft falsch wiedergegeben, sei mithin im Unrecht, lässt ihn Richter Zeller wissen. Auf eine gütliche Einigung will sich Weidenbusch nicht einlassen, er nennt sie ein „vergiftetes Angebot”. In der Folge kommt es zum Urteil.

Tatsächlich ist die Brezn-Affäre nur ein Puzzlestück im Clinch der Jäger. Weidenbusch ist im Verband umstritten. Bereits im April 2022 wollte ihn ein Konkurrent aus den eigenen Reihen im Präsidentenamt ablösen und stellte sich auf der Mitgliederversammlung zur Wahl: Wittmann. Er unterlag. Kurz darauf wollte er Weidenbusch mit einer Abwahl auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung stürzen. Dazu kam es nicht.

Kritik an Weidenbusch gibt es im Jagdverband allerdings reichlich. Dem Präsidenten wird ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen, in einem anonymen Brief wurde er mit Mobbing und Wutausbrüchen in Verbindung gebracht. Mehrere Mitarbeiter sollen unter dem Druck gekündigt haben. Gegen seinen Willen entlassen wurde hingegen der Hauptgeschäftsführer des Verbands – wenige Monate, nachdem Weidenbusch 2020 das Präsidentenamt angetreten hatte. Der Gekündigte wehrte sich vor Gericht und gewann. Auch dieser Fall aus der BJV-Führung treibt kritische Mitglieder wie Wittmann um. Der Verband jedenfalls kommt nicht zur Ruhe.

Weidenbusch erklärt nach dem Prozess, für ihn sei „der Streit um die Brezn längst beendet”. Und auch Wittmann sendet ein Signal der Entspannung: Noch einmal wolle er nicht für das Präsidentenamt kandidieren.
TOM SUNDERMANN

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