Ramona Bertl aus Altenau. © Constanze Wilz
Ramona Bertl hat zwei Arbeitskühe ausgebildet. Die Tiere ziehen Kutschen und helfen bei der Heuernte. In früheren Zeiten war das normal – heute ist diese Tradition fast ausgestorben. Bertl hat sie neu belebt. Anno dazumal waren Kühe wichtige Zugtiere. Geduldig verrichteten sie ihre Arbeit auf Feld und Hof. Wegen ihres unaufgeregten Gemüts waren sie Pferden teils überlegen. Das kann Ramona Bertl bestätigen. Die 26-Jährige hat zwei Arbeitsrinder von klein auf selbst ausgebildet: Romina und Sissi lassen sich vor Pflug und Kutsche spannen. Da solche Geschirre heute kaum mehr hergestellt werden, ließ Bertl sie anfertigen. Zur Gewöhnung hängte sie zuerst eine Schleppe mit leichten Gewichten an. Darin ist Sissi Profi: Gelassen zieht sie die Holzpalette über den Asphalt. Motiviert durch Kraftfutter geht es zügig am Ortsrand von Altenau entlang. „Bei Kühen braucht man viel Geduld. Schnell geht da gar nix“, meint Bertl. Die Erfahrung hat sie gelehrt, nichts zu erzwingen, was das Rind gerade partout nicht anbieten will. Das ginge zulasten des Vertrauens.
Angefangen hatte alles damit, dass Bertl mit Kälbchen Romina am Strick spazieren ging. Irgendwann legte sie Geschirr an. „Ich wollte einfach schauen, wie die Tiere darauf reagieren.“ Inzwischen macht den Rindern die Arbeit sichtlich Spaß. Sie brummen Bertl freudig entgegen, sobald sie den Stall betritt. Sissi hält brav still, während das Halfter über ihren Kopf gleitet. Dann geht es raus, vorbei am elterlichen Milchviehbetrieb Richtung Dorf. Dort kennt und schätzt man die Altenauerin. Dass sie hin und wieder auf ihren Kühen reitet, ist bekannt. Nur Auswärtige bekommen bei diesem Bild mitunter große Augen.
Ein Blickfang war auch das Kuh-Gespann, mit dem Bertl vergangenes Jahr bei einer Hochzeit im Nachbardorf vorfuhr. Das Brautpaar durfte in der Kutsche Platz nehmen. Im Trubel blieben die Tiere ruhig. „Eine Kuh erschreckt sich eben nicht so leicht“, betont Bertl. Daher kann sie Romina und Sissi auch problemlos zum Freilichtmuseum auf der Glentleiten fahren, um sie dort Besuchern zu präsentieren. Bertl will der Welt zeigen, wie Mensch und Tier nach traditionellem Vorbild im Einklang mit der Natur zusammenarbeiten. Ihre Pferde helfen ihr in diesem Sinne auch bei der Feldarbeit.
CONSTANZE WILZ