Wirtshaus in Top-Lage: Der ehrwürdige Ratskeller befindet sich im Rathaus am Marienplatz. © Reinhard Kungel
Wirt Peter Wieser vor seinem Ratskeller. Zum 31. Dezember schließt das Münchner Kult-Restaurant im Herzen der Stadt. © SIGI JANTZ
München – Es ist ein gastronomisches Beben im Herzen der Stadt: Der legendäre Ratskeller unter dem Rathaus schließt zum 31. Dezember 2025. Das bestätigen die Wirte Toni Winklhofer und Peter Wieser (sein Schwager) unserer Zeitung. Die Familie, die auch das Festzelt Tradition auf der Oiden Wiesn betreibt, sperrt den Ratskeller schweren Herzens zu. Wieser geht Anfang 2026 (mit 70) in Ruhestand, eine Nachfolge innerhalb der Familie ist nicht geplant.
„Wir betreiben den Ratskeller heuer im 50. Jahr“, sagt Winklhofer. Also seit 1975. „Aber mei, so ist das Leben halt.“ Eine Möglichkeit, das Traditionslokal am Marienplatz fortzuführe, sieht er nicht. Grund: Der Pachtvertrag läuft zum Jahresende aus, dann seien Sanierungsmaßnahmen unumgänglich. Laut Winklhofer seien Küche, Schankbereich und Personalräume betroffen.
Der Wirt sagt: „Einzelne Stammgäste wissen Bescheid, dass wir aufhören. Und unsere Mitarbeiter haben wir als erstes informiert. Sie wussten aber auch, dass wir in dazu in Verhandlungen waren.“ Damit meint er: Die Familie hat mit der Stadt als Vermieter die Zukunft ausgelotet. Wegen der Sanierung würde sich der Ratskeller verkleinern. Gleichzeitig müsste er für die Arbeiten 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen. „Das sind zusätzliche Investitionen, die zu den ohnehin immer wieder nötigen Ausgaben dazukommen. Das können wir finanziell nicht schultern.“
Was mit reinspielt: In näherer Zukunft muss das komplette Rathaus saniert werden – das Gebäude ist 120 Jahre alt. Diese Renovierung sollte eigentlich im Jahr 2027 beginnen, die Arbeiten wurden allerdings auf 2032 verschoben. Die Verwaltung soll dann in andere städtische Gebäude umziehen, das Rathaus muss komplett geräumt werden (also auch der Ratskeller).
Für Winklhofer und Wieser würde das bedeuten: Die 1,5 Millionen-Investition müssten sie bis dahin erwirtschaftet haben, damit der Umbau Sinn hat. Winklhofer: „Wir vermuten aber, dass wir das Geld bis dahin nicht wieder reinkriegen.“
Beide Wirte betonen: „Wir möchten uns bei all unseren über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Arbeit und Treue bedanken. Und natürlich bei all unseren Gästen aus München und der ganzen Welt. Ein herzliches Dankeschön gilt auch der Stadt München für die jahrzehntelange vertrauensvolle und sehr gute Zusammenarbeit und Partnerschaft!“
Ein wenig dauert‘s noch bis zum endgültigen Servus: Gut acht Monate sind‘s bis zur Schließung. So lang können die Münchner über die vielen gemütlichen Gewölbe unterm Rathaus staunen und feine Gerichte vom Avocado-Tomaten-Tartar mit Wasabi-Crunch (19 €) bis zur Schweinshaxn (26 €) genießen.
REGINA MITTERMEIER