Land der Brauer-Rekorde

von Redaktion

Bundesweit höchster Bierabsatz – 11. Meistertitel für Bayern

Vater und Sohn: Georg VI. und Georg VII. Schneider. © Schlaf

Eine kühle Mass Bier schmeckt im Sommer besonders gut zur Brotzeit: Diese Freunde stoßen an. © Getty

München – Heute vor exakt 509 Jahren haben die damals regierenden Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. das bayerische Reinheitsgebot in Ingolstadt verkündet. „Besonders wollen wir, dass in unseren Städten und Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen“, ordneten die Brüder am Georgitag 1516 an. Das Gebot ist noch immer das Gütesiegel bayerischer Braukunst – und hält als die weltweit älteste bis heute gültige lebensmittelrechtliche Bestimmung einen Rekord. Doch Bayerns Bier kann noch viel mehr.

■ 2,38 Milliarden Mass Bier pro Jahr

Bayern hat bundesweit die Nase vorne. In keinem anderen Land wurde vergangenes Jahr so viel Bier gebraut wie hier. Es ist die elfte Meisterschaft in Folge, teilt das Landesamt für Statistik zum heutigen Tag des bayerischen Bieres mit. Der Absatz stieg gegen den Bundestrend auf 23,8 Millionen Hektoliter – das sind 2,38 Milliarden Mass. Platz 2 geht an Nordrhein-Westfalen.

■ Der Freistaat hat die höchste Brauerei-Dichte

Bayern zählt mit 598 Braustätten unangefochten die meisten Sudhäuser der Republik. 41,0 Prozent der deutschen Braustätten haben ihren Sitz im Freistaat. Keine andere Region der Welt weist auf vergleichsweise engem Raum eine ähnliche Dichte traditioneller, mittelständischer Braustätten auf – hierzulande kommt eine auf rund 22 360 Einwohner. In Oberfranken gibt es mit 172 die meisten Brauereien, gefolgt von Oberbayern mit 135.

Trotzdem: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Bestand um 30 Brauereien geschrumpft. Der Rekord ist laut Lothar Ebbertz, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, also gleichzeitig auch ein Grund zur Sorge: „2024 hat die Zahl der in Bayern betriebenen gewerblichen Braustätten zum ersten Mal in der Geschichte die Schwelle von 600 unterschritten. Das bisherige Allzeittief lag bei der Anzahl von 619 Brauereien im Jahr 2014.“

■ Ein Exportschlager in Europa und Drittländern

Bayerns Bierabsatz ins Ausland liegt bei einer Exportquote von 24,6 Prozent auf Vorjahresniveau (2023: 24,5 Prozent). 3,5 Millionen Hektoliter Bier sind im vergangenen Jahr in die anderen Länder der Europäischen Union und 2,4 Millionen Hektoliter Bier, also 5,8 Prozent mehr als 2023, in Drittländer verkauft worden.

■ Es gibt 40 Bier-Sorten von über 4000 Marken

Über 4000 verschiedene bayerische Biermarken gibt es, sie verteilen sich auf über 40 traditionelle Bier-Sorten und innovative Produkte wie Craft-Biere. Immer wieder geben Brauereien Produkte auf, testen dafür aber auch neue. So alt das Handwerk ist, die Branche unterliegt Trends. So kommt es, dass die Private Landbrauerei Schönram im Kreis Traunstein seit Kurzem ihr Bier auch in Dosen verkauft oder Schneider Weisse (siehe Kasten) jetzt ein neues Hefeweißbier-naturtrüb auf den Markt bringt. Allein in der Produktpalette dieser Brauerei ist es die zehnte Weizenspezialität.

■ Im Sommer ist der Durst besonders groß

Im Sommer ist der Bierdurst massiv: Laut Landesamt wurde vergangenes Jahr im Juli mit 250 Millionen Mass am meisten Bier verkauft, gefolgt von den Monaten Mai und August mit je 230 Millionen Litern. Ein Drittel weniger wurde im Januar und November verkauft. Übrigens: Offenbar haben die Brauerei-Mitarbeiter immer weniger Durst. Der Haustrunk, den sie unentgeltlich und steuerfrei kriegen, sank um 9,4 Prozent auf 4,4 Millionen Mass.
CORNELIA SCHRAMM

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