Seniorin legt Telefonbetrügern das Handwerk

von Redaktion

„Nicht mit mir“: Katharina S. gestern im Amtsgericht. © SIGI JANTZ

Dachau/München – Eine 82-Jährige aus Dachau hat dabei geholfen, einen Telefonbetrüger hinter Gitter zu bringen. Katharina S. beobachtete gestern im Münchner Amtsgericht, wie der Angeklagte Amsal K. in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde. Der 19-jährige Serbe soll im November als Abholer für eine Bande von Schockanrufern im Einsatz gewesen sein. Doch er scheiterte an der resoluten Rentnerin. „Dieser Bande habe ich ordentlich eingeheizt“, sagt die 82-Jährige zufrieden.

Katharina S. hatte die Mache am Telefon gleich durchschaut. Am Hörer hatte sie eine junge Frau, die weinte und sagte: „Oma, Oma, bitte hilf mir!“ Sie habe einen tödlichen Unfall verursacht, nun sei eine Kaution fällig. Bei Katharina S. läuteten gleiche alle Alarmglocken – denn sie hat keine Enkel. Doch sie spielte mit und fragte: „Kind, was ist passiert? Sprich langsam!“

Stundenlang hielt die Seniorin die Betrügerbande am Telefon. Sie ließ sich weiterreichen von einem angeblichen Hauptkommissar bis hin zu einem angeblichen Staatsanwalt – und wusste dabei ganz genau, dass sie es mit Betrügern zu tun hat, die viele ältere Menschen um ihre Ersparnisse bringen. „Sie wollten wissen, wie viele Wertsachen ich zu Hause habe“, erzählt sie vor dem Gerichtssaal. S. hatte früher bei Münchner Juwelieren gearbeitet, das spielte ihr nun in die Karten. Sie zählte am Telefon sämtliche Colliers und Ringe auf, die sie kannte. „Ich war kaum zu bremsen“, sagt sie lachend. Sie wollte die Betrüger so richtig quälen. In jeder Telefonpause rief sie die Polizei von ihrem Handy aus an. Die Beamten kamen sofort – und hörten mit. Als schließlich Amsal K. an ihrer Haustür stand, übergab sie ihm einen fingierten Umschlag. Dann klickten die Handschellen.

Der Mann wurde gestern zu zwei Jahren Jugendknast verurteilt. Für Katharina S. hatte Richterin Christiane Thiemann lobende Worte: „Ich bin schwer beeindruckt von Ihnen!“ Die Entschuldigung von Amsal K. nahm die 82-Jährige nicht an. „Jetzt entschuldigt er sich und dann macht er es vielleicht wieder“, sagte sie. Die Seniorin sieht es als ihre Verpflichtung, zu helfen, solchen Banden das Handwerk zu legen. Sie hätten bereits viele ältere Menschen um deren Geld gebracht, sagt sie und fügt hinzu. „Aber jetzt haben sie sich die Falsche ausgesucht!“
ANDREAS THIEME

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