Das Lager der Internet-Dealer

von Redaktion

Drogen: Ein Kühlschrank voller Rauschgift. © LKA

Zugriff: Sieben Objekte wurden durchsucht, bei vier Beschuldigten klickten die Handschellen. © Symbolbild: Imago

Ein buntes Regal voller harter Drogen wie Crystal Meth.

Verschreibungspflichtig: Tausende Tabletten des Medikaments Lorazepam wurden sichergestellt. © LKA (2)

München – Das Ausmaß dieses Drogen-Arsenals für einen Online-Shop sprengt fast die Grenzen der Vorstellungskraft: Unfassbare 150 000 verschreibungspflichtige Tabletten, 30 Kilogramm Methamphetamin, zwei Kilogramm Heroin und vier Kilogramm Koks haben Polizisten des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) in einer großen Aktion sichergestellt. Der Wert der Rauschmittel geht in die Millionen. Das Absurde: Große Teile der Drogen wurden schon portioniert und in 7000 Tütchen vakuum-verschweißt. Das Ergebnis: ein buntes Regal voller harter Drogen, die im Internet verkauft wurden. Vier Personen wurden jetzt festgenommen, insgesamt wird gegen sieben Dealer ermittelt.

Wie das LKA erst jetzt mitteilt, erfolgte der Zugriff bereits Anfang Februar. Von den sieben Beschuldigten leben fünf in Neuburg an der Donau, einer in Eichstätt und einer in Denkendorf. Sie sind zwischen 24 und 56 Jahre alt und deutsch. Den Festnahmen gingen lange, intensive und länderübergreifende Ermittlungen unter der Leitung der Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg voraus. Ausgangspunkt waren Hinweise vom LKA Thüringen: „Durch eine intensive Datenanalyse gelang es den Spezialisten des LKA, Tatzusammenhänge in den Bundesländern Bayern, Thüringen und Nordrhein-Westfalen herzustellen und eine mehrstufige Täterstruktur aufzudecken“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landeskriminalamts. Es zeigte sich: In Neuburg und Eichstätt gibt es ein logistisches Netzwerk aus Verpackern und Versendern.

Als auffällig bezeichnen die Ermittler „die professionelle Lagerung und Verwaltung der Substanzen“. Schon vor dem eigentlichen Zugriff wurden sie aktiv: „In enger Kooperation mit der Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt sowie einem Postdienstleister konnten zahlreiche Postsendungen mit Betäubungsmitteln – bestimmt für weltweite Empfänger – noch vor der Auslieferung sichergestellt werden.“ Vorteil für die Polizei: Durch die akkurate Buchhaltung der Drogendealer stehen der Inhalt von 7200 Bestellungen und die Kundendaten zur Verfügung. Heißt: Weitere Verfahren folgen. Die Online-Dealer würden gern behaupten, dass die Bestelldaten schnell gelöscht werden. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Das LKA stellt klar: Wer Drogen im Internet kauft – egal ob Clear- oder Darknet, macht sich strafbar.

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