15 000 DHL-Stationen lassen sich nur noch per App öffnen. © IMAGO
Gilching – Ein älterer Herr aus Gilching (Kreis Starnberg) ist daran gescheitert, sein Paket aus einer DHL-Packstation zu befreien. Denn er gehört zu den wenigen Menschen, die kein Handy besitzen. Immer mehr Packstationen funktionieren aber ausschließlich per Smartphone. Die Packstationen öffnen ihre Fächer durch eine DHL-Paket-App. Der Senior aus Gilching hatte kein Handy, keinen Computer und auch keine E-Mail-Adresse – und damit keine Chance, an sein Paket zu kommen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als eine Nachbarin um Hilfe zu bitten. Doch auch für sie wurde der Fall kompliziert. Sie versuchte für den älteren Herrn über die DHL-Internetseite eine erneute Zustellung anzufordern – und eine Notiz zu hinterlassen, dass Pakete des Mannes künftig nicht mehr an die Packstation geliefert werden sollen. Für beide Vorgänge hätte sie aber eine E-Mail-Adresse des Empfängers gebraucht. Sie kann das nicht verstehen. „Er kann sein Paket nicht bekommen, weil er für die Zustellung nicht elektronisch ausgerüstet ist“, sagt sie gegenüber unserer Zeitung. „Das kann doch nicht sein!“
Jeder achte Deutsche in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen ist laut Statistischem Bundesamt ein sogenannter Offliner, das heißt, er hat noch nie das Internet genutzt. Bei den noch Älteren ist der Anteil noch höher. Gleichzeitig steigt die Zahl der DHL-Packstationen, die nur noch per App zu öffnen sind. Aktuell sind es 15 000 Automaten bundesweit. „Derzeit überprüfen wir, inwieweit wir die Herausnahme benachrichtigter Sendungen aus App-gesteuerten Packstationen künftig weiter vereinfachen können“, erklärt die DHL-Sprecherin Sonja Radojicic. Alle Bürger hätten „Zugang zur postalischen Grundversorgung, auch wenn sie kein Smartphone besitzen und nicht online sind“. In Fällen wie dem des Mannes aus Gilching könnte auch der telefonische Kundenservice (0228/4 333 112) weiterhelfen. Er hat das Paket über Kontakte schließlich bekommen. Seine Nachbarin hat nun auch für sich selbst eingerichtet, dass ihre Pakete nicht mehr an eine Packstation geliefert werden. Sie sagt: „Ich brauche nicht noch eine App.“
TOBIAS GMACH