Neuschwanstein zum Mitnehmen

von Redaktion

Barbara Stöger (42) verkauft Souvenirs am berühmtesten Schloss Bayerns

Barbara Stöger berät Kunden beim Souvenir-Kauf.

Schloss Neuschwanstein in der Sonne.

Bierkrüge und Magnete sind die Verkaufsschlager im Souvenirshop, sagt Barbara Stöger. Die Hauptsache: Schloss Neuschwanstein muss auf den Andenken zu sehen sein. © Hans-Helmut Herold (3)

Touristen aus aller Welt pilgern jährlich in Scharen zu den Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau. Und Barbara Stöger sorgt dafür, dass sie aus dem Urlaub in Bayern nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch das passende Andenken mit nach Hause nehmen. Die 42-Jährige leitet den Bereich Einzelhandel im Schwangauer Traditionshotel Müller, das vor Ort eine Boutique und zwei Souvenir-Shops betreibt.

Frau Stöger, gibt es einen Klassiker in Ihrem Sortiment, auf den Touristen aller Nationen abfahren?

Der absolute Renner sind unsere Magneten mit dem Bild von Schloss Neuschwanstein. Das ist ein Mitbringsel, das jeder mitnimmt. Die gehen bei uns weg wie warme Semmeln. Die klassisch bayerischen Artikel gehen im Vergleich dazu weniger gut, weil wir internationale Kunden haben, die teilweise gar nicht wissen, dass sie sich gerade in Bayern aufhalten. Einige denken, sie sind in Österreich. Wir haben tatsächlich auch Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald im Sortiment. Für viele Kunden ist das alles eins – also typisch deusch.

Was macht den Reiz von Souvenirs aus?

Ich denke, es ist der persönliche Erinnerungswert. Man ist an einem besonderen Ort wie Schloss Neuschwanstein und dann will man neben den Erinnerungen auch etwas zum Anfassen mit nach Hause nehmen. Bei den amerikanischen und teils auch bei den asiatischen Kunden kommen die handgefertigten Keramik-Bierkrüge gut an. Handarbeit made in Germany ist ein gutes Verkaufsargument. Wir bieten tatsächlich auch den Service an, Krüge und Co. zu versenden. Das wird viel genutzt. Die Pakete gehen in alle Welt, Bierkrüge hauptsächlich nach Amerika.

Erkennen Sie am Einkaufskorb die unterschiedlichen Nationalitäten?

Die Unterschiede zeigen sich weniger bei der Auswahl der Produkte als vielmehr im Einkaufsverhalten. Chinesische Reisegruppen sind manchmal ein bisschen ungeduldig. Da steht dann ein ganzer Reisebus an Touristen vor der Kasse und möchte möglichst zeitgleich bedient werden. Amerikaner sind meistens total entspannt und nett. Die betreiben gerne Smalltalk. Und die Italiener kommen gerne zu den christlichen Feiertagen.

Sie sind in Hohenschwangau aufgewachsen. Vor Ihnen hat Ihre Mutter den Souvenir-Verkauf des Familienbetriebes geleitet. Wie hat sich der Markt über die Jahre verändert?

Papierprodukte wie Postkarten und Reiseführer gehen definitiv nicht mehr so gut wie früher. Inzwischen hat WhatsApp die Karten weitestgehend ersetzt, Informationen über den Urlaubsort googelt man auf dem Handy. In den 1980er- und 1990er-Jahren waren japanische und amerikanische Reisegruppen stark vertreten. Die haben sehr hochwertig eingekauft, damals lag der Fokus auf Marken wie Meissen-Porzellan, MCM, Aigner, Anri und Hummel. In den Jahren vor Corona kamen dann vermehrt chinesische Reisegruppen, deren Interesse sich vorwiegend auf die Uhren- und Schmuckmarken konzentrierte, die wir in unserer Boutique anbieten. Inzwischen fahren wir wieder gut mit unseren Klassikern. Das Wichtigste ist, dass Schloss Neuschwanstein auf den Artikeln abgebildet ist.

Woher rührt die weltweite Faszination für König Ludwigs Märchenschloss?

So ganz kann ich mir den Hype tatsächlich nicht erklären. Natürlich reizt viele Gäste auch die Landschaft drum herum. Ich habe nach meinem Abitur ein halbes Jahr im Disneyland Paris gearbeitet. Wenn ich da erzählt habe, dass ich aus Hohenschwangau oder Bayern komme, konnte niemand etwas damit anfangen. Aber Schloss Neuschwanstein kannten sehr viele.

Kaufen Sie im Urlaub selbst auch Souvenirs?

Nein, da mache ich tatsächlich einen großen Bogen herum. Die Läden betrete ich höchstens für eine kleine Marktforschung, um zu sehen, was die Konkurrenz so treibt.

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