DAS PORTRÄT

Traumpaar im Leben und auf dem Tanzparkett

von Redaktion

Sabina und Frank Winter aus Freising. © Lehmann

Ihr erstes Date hatten Sabina und Frank Winter aus Freising auf einer Party im Lindenkeller. Das war 2009. Seitdem tanzen sie gemeinsam durchs Leben – auch auf dem Trainingsparkett. Denn das Paar ist in die S-Klasse aufgestiegen und jetzt auf dem Weg an die Weltspitze.

Alles fing mit einem „Darf ich bitten?“ an. Auf der Party im Lindenkeller hat Sabina Winter (63) zunächst das gemacht, „was man halt so macht“ beim Weggehen: „Ich bin zur Musik rumgesprungen“, sagt sie und lacht. „Doch dass da jeder für sich ist, fand Frank nicht gut.“ Sie tanzen zusammen. Nach der Party schlägt er ihr einen Tanzkurs vor, Sabina stimmt zu. Der Grundstein für die gemeinsame Leidenschaft ist gelegt.

Er lässt sich im Tanz vom Herzen leiten, sie vom Kopf. Diese Kombination scheint perfekt zu sein. Dass in den beiden etwas schlummert, das es nur zu wecken braucht, sieht damals auch ihr Trainer Igor Akalowski. Als die zwei in den Turniertanz starten, sind sie über 50 und bringen eine weitere enorme Herausforderung mit: einen erheblichen Größenunterschied. Sabina Winter ist 1,60, ihr Mann 1,86 Meter groß. Doch Akalowski weiß das Paar anzuleiten, hat ein Gespür dafür, die beiden auf der Erfolgsleiter immer ein Stück weiter nach oben zu bringen – durch ihren Ehrgeiz, ihr Können und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen. Kopf und Herz ergänzen sich so gut, dass sie die Startklassen D, C, B und A in den Standardtänzen durchlaufen: langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep. Nach nur fünfeinhalb Jahren Turniersport traten sie im März in der A-Klasse zu den bayerischen Meisterschaften an und belegten den ersten Platz in ihrer Altersklasse. Sabina und Frank Winter wurden Bayerische Meister und stiegen in die S-Klasse (Sonderklasse) auf.

Insgesamt stehen die beiden zehn bis 15 Stunden pro Woche auf dem Tanzparkett im Tanzsportzentrum in Attaching. „Wir sind der lebendige Beweis, dass jeder alles lernen kann“, sagt Frank Winter (66). Die S-Klasse ist die höchste Klasse im Tanzsport und berechtigt Paare auch, an der Deutschen Meisterschaft und an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Und genau das sind die nächsten Schritte: Ende Mai fahren die Winters zur Deutschen Meisterschaft nach Elmshorn, am 5. Juli ist dann die Weltmeisterschaft in Bremen.

Was hat sich verändert, seit das Tanzen der Mittelpunkt ihres Lebens ist? „Die Konzentration ist besser, ebenso die Kondition“, sagt Frank Winter. Immer wieder sei er überrascht, dass der Puls beim Tanzen höher geht als beispielsweise beim Laufen. Vor allem im Älterwerden sei es ein Geschenk, sich fit zu fühlen. Und das sei definitiv ein Effekt des Tanzens. Sabina Winter würde sich selbst, seit sie tanzt, als fokussierter bezeichnen. „Und ich habe ein besseres Körpergefühl.“ Mit einem Lächeln ergänzt sie: „Vor dem Tanzen war ich ein richtiges Trampeltier.“ Sollte das so wirklich gewesen sein, erinnert daran heute definitiv nichts mehr. Es ist eben nie zu spät für Neues.
ANDREA BESCHORNER

Artikel 1 von 11