Der Tatort: Die Polizei sicherte die Spuren an dem Spielplatz in Hersbruck. © vifogra
Im Gerichtssaal verbarg der Angeklagte sein Gesicht hinter einer Mappe. © dpa
Nürnberg – Noch immer hat sie Probleme mit den Händen und große Angst: Eine 34-Jährige leidet bis heute unter dem Messerangriff ihres Mannes. Er hatt sie vor den Augen der gemeinsamen Kinder und vieler anderer Menschen auf einem Spielplatz in Mittelfranken angegriffen. Sie befürchte ständig, dass jemand sie von hinten attackieren könnte, sagte sie zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht in Nürnberg. Dort ist der Mann, von dem sie sich getrennt hatte, wegen Mordversuchs angeklagt.
Der 41-Jährige aus Syrien soll im vergangenen Juli auf einem Spielplatz in Hersbruck mehr als 20 Mal auf die Frau eingestochen haben. Die Frau überlebte nur, weil ihre Tochter, ihr Sohn und zwei andere Frauen ihr zu Hilfe eilten. Die 34-Jährige wurde in einem Krankenhaus notoperiert. Es sei alles sehr schnell gegangen, schilderte sie gestern vor Gericht die Tat. Den Messerangriff habe sie wie durch einen Nebel erlebt. Trotz der Drohungen in den Monaten zuvor habe sie nicht damit gerechnet, dass er sie in der Öffentlichkeit angreifen würde.
Der Angeklagte räumte den Angriff auf seine Frau vor Gericht ein. Er übernehme die Verantwortung für das Leid, das er seiner Familie zugefügt habe, sagte er laut einer schriftlichen Erklärung, die seine Verteidigerin verlas. Er sei vor Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen und habe in syrischer Haft Schlimmes erlebt. Seitdem litt er an Depressionen und einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie aus einem Gutachten hervorgeht, das vor Gericht verlesen wurde.
Das Motiv für die Tat war aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber die Trennung: Diese habe der Angeklagte aus übersteigertem Besitzdenken nicht akzeptieren wollen, sagte Oberstaatsanwältin Renate Steinheimer. Die Frau hatte ihr zufolge die Beziehung bereits Ende 2022 beendet und ein Kontaktverbot gegen ihren Mann erwirkt, weil er gedroht hatte, sie zu töten, und gewalttätig geworden war.
Am Tag der Tat hatte sich die Frau mit ihren drei Kindern und Freunden abends auf einem Spielplatz in Hersbruck getroffen. Der Angeklagte habe sich der Frau dort von hinten genähert und ein Klappmesser gezückt, sagte Steinheimer. Als seine 15-jährige Tochter sich ihm in den Weg gestellt hatte, habe er ihr in den Bauch gestochen. Dann habe er seine Frau an den Haaren gepackt, vornüber zu Boden gerissen und auf Kopf, Gesicht und Rücken eingestochen.
Der damals elfjährige Sohn und zwei Freundinnen der Frau versuchten laut Anklage, den Angreifer von seinem Opfer herunterzuziehen. Gerade als er seiner Frau das Messer in den Hals habe stoßen wollen, hatte sich die verletzte Tochter erneut dazwischengedrängt und mit ihrem Arm den Stich abgewehrt, berichtete Steinheimer. Auch eine Freundin seiner Ehefrau verletzte der Angeklagte mit dem Messer.
Schließlich flüchtete der 41-Jährige. Die Polizei konnte ihn allerdings kurze Zeit später festnehmen. An die Tat selbst kann er sich eigenen Angaben nach nicht erinnern. „Ich war sprichwörtlich blind vor Wut“, gab er in der schriftlichen Erklärung vor Gericht an. Er sei erst wieder in seinem Badezimmer zu sich gekommen. Dort hat er dann die Blutflecken an seiner Kleidung bemerkt.
Das Landgericht hat bis Anfang Juni neun Fortsetzungstermine angesetzt.
DPA