Licht an in der Kini-Grotte

von Redaktion

Ludwigs Herzensprojekt am Schloss Linderhof wieder eröffnet

Die Parkanlage am Schloss Linderhof. König Ludwig II. hatte die Venusgrotte im Schlosspark errichten lassen. © dpa

König Ludwig II. lebte von 1845 bis 1886. © imago

Nun auch offiziell eröffnet: Markus Söder und Albert Füracker durchschnitten das Band am Eingang der Grotte.

Aus Sachsen-Anhalt angereist: Veronika und Jürgen Schulze sind beeindruckt von der Venusgrotte.

Der Rückzugsort des Königs: Im Muschelkahn ließ sich Ludwig II. über den künstlichen See in der Grotte fahren. © Andreas Mayr (3)

Ettal – Zehn Jahre lang ist sie aufwendig restauriert worden – nun ist die Venusgrotte am Schloss Linderhof wieder eröffnet. 15 000 Menschen haben die künstliche Tropfsteinhöhle in den vergangenen zweieinhalb Wochen bereits besucht – aber es drangen keine Bilder nach draußen. Fotografieren war streng verboten. „Um der offiziellen Eröffnung mit Markus Söder nicht vorzugreifen“, hieß es aus dem Finanzministerium. Der Ministerpräsident weiß sich bekanntlich zu inszenieren. Das Erste, was die Öffentlichkeit von dem mystischen Ort sehen sollte, sollten Bilder von ihm in der Venusgrotte sein. Die entstanden an diesem Mittwoch.

Söder hatte seinerzeit als Finanzminister die Gelder bereitgestellt für die Restaurierung. Fast 60 Millionen Euro – anfangs war die Staatsregierung noch von 25 Millionen Euro ausgegangen. Die einzige Alternative wäre sonst gewesen, sie verrotten zu lassen, wie Finanzminister Albert Füracker (CSU) betonte. Die Bauzeit dauerte deutlich länger als geplant: Ursprünglich sollten die Arbeiten schon vor vier Jahren abgeschlossen sein.

König Ludwig II., der neben Linderhof auch die Schlösser Neuschwanstein und Herrenchiemsee in Auftrag gegeben hatte, hatte die Venusgrotte im Schlosspark 1876 und 1877 errichten lassen. In der Grotte ließ er den ersten Akt der Wagner-Oper „Tannhäuser“ und das Motiv der blauen Grotte von Capri in Szene setzen. Söders Besuch gipfelte in einer Vorführung der technischen Wunderwerke. Schon bei der Inbetriebnahme 1878 sorgten 24 Dynamomaschinen für Spektakel. Zu Richard Wagners Tannhäuser-Leitmotiv schießt heute der künstliche Wasserfall in den See hinunter, im Hintergrund ist ein Regenbogen zu sehen.

345 000 Besucher waren 2023 zum Schloss Linderhof gekommen. In den 90er-Jahren waren es sogar mal über 900 000. Nach der Renovierung der Venusgrotte hofft der Freistaat nun auf einen neuen Schub. Besonders, weil Linderhof im Sommer als Teil der Königsschlösser Weltkulturerbe werden könnte. Veronika und Jürgen Schulze sind am Mittwoch in die Grotte gekommen. Die beiden Urlauber aus Sachsen-Anhalt unternahmen dafür eine Tagestour zum Schloss. „Ein Wahnsinn, dass das alles künstlich erschaffen worden ist“, sagt sie. Und ihr Mann ergänzt: „Beeindruckend ist, dass sich König Ludwig II. hingestellt und gesagt hat: Ich will das so haben – und sie haben alles so gebaut. Geld hat keine Rolle gespielt. Er wollte wie in einer Oper sitzen und sich Wagner anhören – und er hat es bekommen.“
ANDREAS MAYR

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