Ein Auerhahn. © M. Leitner
…bei Naturfotograf Markus Leitner. © Pfeiffer
Wenn Markus Leitner in der Natur unterwegs ist, dann meist mit seiner Kamera. Er fotografiert wilde Berge, scheue Tiere, stille Augenblicke. Im Nationalpark Berchtesgaden dokumentiert er die letzten großen Greifvögel und Gämsen in ihrer ursprünglichen Welt. Ein Gespräch über das Warten, das Staunen – und warum man Natur nur schützen kann, wenn man sie wirklich kennt.
Sie verbringen jede freie Minute in der Natur, oft allein. Was fasziniert Sie nach all den Jahren noch immer an dieser zeitintensiven Art der Fotografie?
Das Spannende ist, dass trotz aller Erfahrung nichts planbar ist. Jeder Moment bleibt unverfälscht echt. Gerade in unserer digitalen Welt ist das eine intensive Erfahrung für alle Sinne. Ich muss mir alles selbst erarbeiten – es gibt keine Abkürzungen, keine inszenierten Szenen wie im Zoo oder an Futterstellen.
Haben Sie bei Ihren Exkursionen ein konkretes Motiv im Kopf oder lassen Sie sich treiben?
Ich genieße in erster Linie die Ruhe in der Natur, habe aber immer den großen 80-Liter-Rucksack samt Kamera dabei. Natürlich plane ich auch, wo ich zu welcher Zeit sein sollte. Jahreszeit, Wetter, Licht, Temperatur und Wind beeinflussen das Verhalten der Tiere enorm. Wer ernsthaft Wildtiere fotografieren will, sollte sich intensiv mit ihnen beschäftigen. Schon aus Respekt – denn ein gutes Bild rechtfertigt niemals, dass man das natürliche Verhalten stört.
Kürzlich hatten Sie ein besonderes Erlebnis mit einem jungen Adler. Was ist passiert?
Ich fotografierte gerade einen Mauerläufer in einer Felswand, als plötzlich ein junges Adlerweibchen im Sturzflug wenige Meter über meinen Kopf hinwegsauste. So nah, dass ich den Luftzug spürte und sogar ihren Geruch wahrnahm. Im Bild sieht man später noch das Blut der Gams, die sie kurz zuvor gerissen hatte. Ein Erlebnis, das sich tief einprägt.
Sie sagen, Adlerfotografie erfordere eine hohe Frustrationstoleranz. Warum?
Die Reviere sind riesig, oft über 50 Quadratkilometer. Wilde Tiere folgen nicht unseren Regeln. Vieles hängt von Erfahrung ab – aber auch von Glück. Wer nicht bereit ist, bei Eiseskälte oder Hitze stundenlang draußen zu sein, wird oft enttäuscht. Aber das gehört dazu. Es geht nicht darum, immer Adler zu sehen – sondern draußen zu sein, sich anzustrengen und die Natur auf sich wirken zu lassen.
Auf Ihren Social-Media-Kanälen erreichen Sie tausende Menschen. Was macht die Faszination Ihrer Bilder aus?
Es geht mir nicht um das spektakulärste Foto, sondern um die Geschichte dahinter. Jedes Tier hat eine Persönlichkeit, besonders langlebige Arten wie Steinadler oder Bartgeier. Ich versuche zu zeigen, wie ihr Leben wirklich aussieht – auch, wie der Mensch positiv oder negativ darauf Einfluss nimmt.
Trägt Wildtierfotografie zum Naturschutz bei?
Ja, auf jeden Fall. Menschen schützen nur, was sie kennen und wertschätzen. Aber Wildtierfotografie kann auch Schaden anrichten, wenn sie rücksichtslos betrieben wird. Deshalb mache ich keine geführten Touren und verzichte auf Effekthascherei.