Der Neuen Prager Hütte geht im Sommer das Wasser aus. Ein Sensoren-System soll den Wasserhaushalt managen. © DAV
Diese Bootshütten stehen am Walchensee auf dem Trockenen. Nur das Kiesbett ist anfahrbar. © Sven Hoppe/dpa
Augsburg – Die Neue Prager Hütte am Großvenediger ist ein Sorgenkind. Sie musste 2024 das dritte Jahr in Folge vorzeitig schließen, weil das Wasser ausging. Auf 2796 Metern ist sie auf Oberflächenwasser und Schneefelder angewiesen. Nur sind letztere heuer ungewöhnlich dünn. Von der Schweiz über Deutschland bis nach Österreich hat es in diesem Winter selbst im Hochgebirge nicht genug geschneit. Das fehlende Schmelzwasser könnte zum Problem werden. Nicht nur hier am Berg.
In Bayerns Tälern hat Joachim Stoermer als Koordinator beim Niedrigwasser-Informationsdienst des Landesamtes für Umwelt die Pegel im Blick. „Das hydrologische Winterhalbjahr, das von November bis Ende April dauert, ist in der Niederschlagsbilanz um 33 Prozent zu trocken“, erklärt er. „Es gab also um ein Drittel weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel.“ So zeigen 84 Prozent der Fließgewässer-Messstellen in Bayern niedrige Abflussverhältnisse, etwa fünf Prozent sogar sehr niedrige. Etwa an der Ach in Oberhausen im Kreis Weilheim-Schongau. Aktuell liegt ihr Wasserstand bei 29 Zentimetern. Zum Vergleich: Eineinhalb Meter waren es im vergangenen Hochwasser-Juni.
So erschrocken wie Spaziergänger am Bodensee, wo Schiffe bestimmte Anlegestellen nicht mehr anlaufen, sind sie am Walchensee im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen noch nicht. Aber auch hier stehen gerade viele Bootshäuschen auf dem Trockenen. Wer im Garten schon gepflanzt hat, muss bei aktuell 24 Grad gewissenhaft gießen. Auch Isar und Inn weisen niedrige Pegelstände auf. „Bedrohlich ist dort die Lage aber keinesfalls“, sagt Stoermer. „Die Wassertemperaturen in den Seen und Flüssen sind niedrig, sodass Fische und andere Lebewesen noch nicht unter Stress stehen.“ Aber wie passt das zusammen? Wenig Schnee, kaum Schmelzwasser – und trotzdem keine besorgniserregenden Pegelstände? „Da profitieren wir noch vom vergangenem Jahr, das das bisher nasseste Abflussjahr in der 143-jährigen Beobachtungsreihe war.“
Der Puffer tut gut. Denn dass ein sehr schneearmer Winter hinter uns liegt, zeigt die geringe Anzahl der Tage mit einer Schneedecke von mindestens einem Zentimeter. In Würzburg gab es in diesem Winterhalbjahr nur einen, in Augsburg vier und in München sechs. Stoermer zieht den Vergleich zum Schneewinter 1999. In fünf Wochen fielen damals in den Alpen über fünf Meter Schnee. Lawinen verschütteten im Tiroler Galtür mehrere Wohnhäuser, 31 Menschen starben. Damals zählte Würzburg 14, Augsburg 33 und München 48 Tage mit einer Schneehöhe von einem Zentimeter.
Traurige Rekorde werden heuer auch auf der Zugspitze gemessen: „Dort betrug die Schneehöhe am Dienstag etwa 130 Zentimeter“, sagt Stoermer. „Das klingt nach viel, täuscht aber. Das langjährige Mittel beträgt um diese Jahreszeit eigentlich 398 Zentimeter. So wenig Schnee lag dort zuletzt am 20. April 1941.“ Was oben schon jetzt fehlt, könnte in den nächsten Wochen bis ins Tal spürbar sein. „Es ist eine ungünstige Ausgangslage, muss aber noch nichts für die Lage im Sommer heißen“, sagt Stoermer und macht Hoffnung. „Von den starken Regenfällen vorige Woche profitierte die Natur relativ schnell.“
Auch auf Hütten will man weiter kämpfen – mit Trockentoiletten und Hightech. Auf der Neuen Prager Hütte soll der Hüttenwirt künftig quasi jeden Tropfen Wasser im Blick haben. Ein Innsbrucker Unternehmen montiert als Pilotprojekt Sensoren. Einer zeigt zum Beispiel, wie viel Wasser von oben im Rohwasserspeicher ankommt. Mit den Sensor-Daten kann der Hüttenwirt ableiten, wie lange das vorhandene Wasser bei der bestimmten Anzahl von Gästen und deren Wasserbedarf ausreicht.