Ferien-Nadelöhr Brenner

von Redaktion

Auf der Süd-Route wird‘s eng – das rät der ADAC

Die Luegbrücke ist die längste Brücke auf der österreichischen Brenner-Autobahn. © Marcus Schlaf

München – Der Gardasee, die liebste Badewanne der Bayern. Die Adria, bestes Planschbecken. Pizza, Pasta, Bella Italia! In den Pfingstferien machen sich wieder viele Urlauber aus dem Freistaat auf den Weg in den Süden. Nur wird es möglicherweise länger dauern, bis jeder auf seiner Sonnenliege faulenzen kann. Denn auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung, der Brenner-Autobahn, ist seit Anfang 2025 eine gigantische Baustelle – und die könnte für lange Staus sorgen.

Es geht um die Luegbrücke. Das mehr als 50 Jahre alte Bauwerk ist die längste Brücke der österreichischen A 13. 1804 Meter lang steht sie im Wipptal, kurz vor dem Brennerpass. Weil die Brücke marode ist, wird eine neue gebaut, parallel. Das dauert mehrere Jahre. Die österreichische Asfinag hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Verkehr weiter fließen zu lassen – aber mit den Pfingstferien steht nun der erste richtige Test bevor.

Das Pfingstwochenende gehöre zu den verkehrsreichsten des Jahres, so sagt Asfinag-Sprecher Alexander Holzedl. Autofahrer aus fast allen Bundesländern sind unterwegs, denn vielerorts ist auch noch der Dienstag (10. Juni) nach dem Pfingstmontag frei. Nicht nur in Bayern, auch in Baden-Württemberg starten zudem zweiwöchige Ferien. Laut ADAC waren 2024 der Freitag vor Pfingsten und der Dienstag nach Pfingsten besonders staureich. „Schon bisher gab es an solchen Tagen Verzögerungen – diese werden am Pfingstwochenende nicht ausbleiben“, sagt auch Holzedl.

Während des Brückenneubaus wird der Verkehr eigentlich einspurig über die alte Brücke geleitet. In den Pfingstferien gibt es aber an jedem Tag eine zweispurige Verkehrsführung. „Die bisherigen Erfahrung waren sehr erfreulich – lange Verzögerungen konnten durch das ausgeklügelte Verkehrsmanagement verhindert werden“, heißt es bei der Asfinag. An manchen Tagen, etwa am Pfingstsamstag gilt zusätzlich ein Lkw-Fahrverbot. Auch der ADAC Südbayern glaubt, dass Zweispurigkeit und Lkw-Verbot „das Schlimmste vermeiden“, so Sprecher Bastian Hambalgo. So sei der Verkehr auch über das lange Vatertags-Wochenende nicht zum Erliegen gekommen. Aber so optimistisch wie der österreichische Autobahnbetreiber ist der ADAC nicht: „Die Brennerroute war schon vor der Baustelle stark frequentiert und die Engstelle auf der Luegbrücke wird für zusätzliche Staus sorgen.“ Denn die Zweispurigkeit bedeutet: Lastwagen müssen auf die linke Spur wechseln, Autos auf die rechte. Das sorgt für teils erhebliche Rückstaus. Zudem gibt es laut ADAC auch auf italienischer Seite Baustellen.

Dass die Luegbrücke ein Nadelöhr Richtung Süden wird, ist seit Längerem bekannt. Manche Urlauber weichen deshalb auf den Zug aus – eine häufig unterschätzte Alternative. Zum Gardasee funktioniert das: Für die Strecke München Hauptbahnhof bis Rovereto östlich des Sees braucht der direkt fahrende Railjet der österreichischen Bahn knapp fünf Stunden. Ein Ticket für Samstagmittag kostet ca. 100 Euro, aber eine hohe Auslastung wird erwartet.

Wer Fernweh nach dem Meer hat und etwa nach Jesolo fahren will (wobei der Bahnhof etliche Kilometer weg vom Meer ist), braucht mit dem Zug achteinhalb Stunden und muss zwei Mal umsteigen, unter anderem in Venedig. Tickets gibt es schon ab 77,70 Euro.

Alternativrouten zum Brenner für Autofahrer sind rar, zumal man auf Tiroler Gebiet nicht von der Autobahn runter darf. Eine großräumige Umfahrung des Brenners bedeutet meist eine deutlich längere Anreise. Auch die Tauernautobahn ist oft notorisch überlastet, am vergangenen verlängerten Wochenende standen Autofahrer bis zu drei Stunden vor der Tunnelbaustelle hinter Salzburg. Auf dem Reschenpass ist ebenfalls Geduld gefragt wegen einer teilweise einspurigen Verkehrsführung mit Ampelregelung. Auch hier wird gebaut.

Deshalb der wichtigste Ratschlag: „Möglichst antizyklisch fahren und die staureichen Tage zu Beginn der Ferien meiden!“ Helfen kann es auch, notwendige Vignetten bereits vor der Abfahrt zu besorgen. Die österreichische Autobahnvignette für zehn Tage kostet 12,40 Euro, die Brenner-Autobahnmaut für eine Fahrt online noch einmal zwölf Euro. Hinzu kommen italienische Gebühren.

Immerhin: Mit der elektronischen Kennzeichenerkennung können Autofahrer die Mautstelle Schönberg auf ausgewiesenen Spuren schneller passieren. Wenn es trotzdem zäh Richtung Süden geht, noch einen Tipp: Viel Geduld mitbringen! Das gilt auch für die Rückreise. Aber bis dahin ist erst einmal: Urlaub.
CARINA ZIMNIOK

Stau in Echtzeit

Im Internet ist unter der Adresse www.asfinag.at/a13 die Reisezeit mit Verzögerungen in Echtzeit abrufbar. Dort gibt es auch den Fahrkalender, in dem zum Beispiel die Tage mit Lkw-Fahrverbot eingezeichnet sind.

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