Hacker-Angriff auf Hütte

von Redaktion

Video als Hilferuf: Tannenhütten-Wirtin wurde Betrugsopfer

Die Tannenhütte am Wank ist ein beliebter Ort für Ausflüge und Events. © Privat

Partenkirchen – Anna-Maria Staller ist ein Kind der Berge – und seit 2017 Wirtin der Tannenhütte am Wank (940 Meter). Doch Betrüger haben ihre heile Welt im Kreis Garmisch-Partenkirchen erschüttert. „Was mir im März passiert ist, treibt mich jetzt an meine Grenzen – emotional und wirtschaftlich“, erzählt sie in einem Instagram-Video. „Mir fehlen zwei Wochen meines Umsatzes, meiner Arbeit, meines Lebensunterhaltes.“

Das Video hatte Staller vergangene Woche mit zittriger Stimme aufgenommen. Zu groß war die Verzweiflung. „Ende März hat sich ein Fremder Zugang zum Benutzerkonto meines Zahlungsdienstleisters SumUp verschafft und dort unbemerkt ein Geschäftskonto eröffnet“, berichtet sie. Alle Kartenzahlungen, die danach auf ihrer Hütte getätigt wurden, seien auf dieses umgeleitet und weiter auf ausländische Konten transferiert worden. Erst Tage später entdeckte sie den Betrug: „Ich habe Anzeige erstattet, SumUp kontaktiert und die irische Finanzaufsichtsbehörde informiert.“

In der internationalen Welt des bargeldlosen Bezahlens ist SumUp lange kein Nischenanbieter mehr. In Deutschland haben zuletzt sogar Filialen von Aldi und Rossmann auf Kartenlesegeräte des britischen Herstellers umgestellt. In der ganzen Region kann man über die viereckigen, weißen Geräte inzwischen selbst in Biergärten und Taxis binnen Sekunden seine Rechnung per Karte- oder Handyauflegen begleichen. Sie sind leicht und passen hinter jede Ladentheke – und in jede Kellnertasche.

Nur: Nach dem Vorfall auf der Tannenhütte habe sich SumUp laut Staller über Wochen hinweg nicht gemeldet. Die Wirtin vernetzt sich in der Zwischenzeit mit Unternehmern, denen Ähnliches passiert ist, und prüft eine Sammelklage. Sie will ihr Geld zurück – und Gerechtigkeit. „Ich will nur, dass ein kleiner Betrieb samt Mitarbeitern nicht in die Knie gezwungen wird und an so einem Systemversagen zugrunde geht“, sagt sie im Video. Erst als dieses immer mehr Menschen sehen und SumUp markieren, habe sich das Unternehmen Staller zufolge endlich gemeldet.

Die Polizei in Garmisch-Partenkirchen hat in der Region noch keine weiteren Betrugsfälle in Zusammenhang mit Kartenzahlsystemen registriert. „Wir beobachten keine gehäuften Fälle dieser Art in Deutschland, solche Vorkommnisse sind eher die Ausnahme“, teilt auch eine Sprecherin von SumUp mit. Händler sollten Kontoaktivitäten regelmäßig prüfen und unerwarteten Anrufen oder E-Mails gegenüber kritisch sein.

Staller kann inzwischen aber aufatmen. „Die europäische Geschäftsleitung von SumUp nahm Kontakt auf und überwies mir den verlorenen Betrag“, berichtet sie gestern. „Sie bezeichnete dies aber als Entschädigung und übernahm keine Verantwortung oder Aufklärung zum Vorfall.“ Also geht der Kampf weiter: „Mein Fall hat eine Welle ausgelöst. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich viele weitere Betroffene bei mir. Wenn digitale Zahlungsmethoden zusätzlich Gebühren verursachen, aber keine Sicherheit garantieren, muss uns das als Gesellschaft und Wirtschaft alarmieren.“
CORNELIA SCHRAMM

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