Etwa zwei Zentimeter groß waren die Hagelkörner rund um Farchant.
Wegen starkem Aquaplaning kam es am Dienstagabend auf der A9 bei Langenbruck zu einem Unfall. © Friedrich/vifogra
Hagelmassen über dem Golfplatz Karwendel bei Wallgau vom Dienstagabend. © Merzbach/NEWS5
München/Farchant – Den Vorgeschmack auf Sturmtief „Tim“ bekamen die Bewohner von Farchant, Oberau und den umliegenden Dörfern im Landkreis Garmisch-Partenkirchen schon am Dienstagabend zu spüren. Ein Unwetter mit kräftigem Hagel zog über die Gemeinden in Südbayern hinweg. Auf bis zu 40 Zentimeter stapelten sich die Eisklumpen, was zur Folge hatte, dass Gullys verstopften und das Wasser nicht mehr abfließen konnte. In den Straßen war es plötzlich so weiß, wie man es sonst nur aus den Wintermonaten kennt.
Anwohner rückten mit Schneeschaufeln aus, um den Hagel aus den Einfahrten zu räumen. Autofahrer suchten Schutz unter Tankstellendächern. Größere Schäden an Autos blieben zumindest am Dienstagabend aus, die Kügelchen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hatten eine Größe von maximal zwei Zentimetern. Die örtlichen Feuerwehren waren dennoch im Dauereinsatz, etwa um vollgelaufene Keller leer zu pumpen.
Im Vergleich noch deutlich heftigere Gewitter hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) dann für Mittwochabend vorausgesagt. Denn dann sollte Sturmtief „Tim“ für „ordentlich Action in der Wetterküche“ sorgen, wie Marco Manitta vom DWD prognostizierte.
Zwar lag der Kern des Sturmtiefs über dem Nordostatlantik zwischen Island und Schottland, jedoch reichte sein Einflussbereich bis nach Mitteleuropa. Das dazugehörige Frontensystem lag quer über Deutschland und trennte kühlere Luft im Nordwesten von schwülwarmer und energiegeladener Luft, die Folge: eine „schwere Gewitterlage“ im Südosten Deutschlands und in Teilen des Ostens.
Schon am Mittwochmorgen zog ein mit Gewittern durchsetztes Regengebiet nach Nordosten. Später am Tag bildeten sich daran teils heftige Gewitter, die sich ostwärts verlagerten. Dabei warnte der DWD noch gestern vor besonders tückischen Lagen im südlichen Alpenvorland. Denn dort könne es zu einem besonderen Phänomen kommen: Der Föhn kann die Entstehung von Gewittern zunächst verhindern. Aber bei einem sogenannten Föhnzusammenbruch frischt der Wind plötzlich bis auf Sturmstärke auf ohne Anzeichen eines Gewitters.
In Germering wandte sich der Betreiber einer Edeka-Filiale schon am Nachmittag in den Sozialen Netzwerken an die Bewohner – und kündigte an, das Supermarkt-Parkhaus für Autos zu öffnen, die sonst einen Hagelschaden erleiden könnten.