Noch immer zu wenig Organspender

von Redaktion

Gesundheitsministerin Gerlach fordert Einführung der Widerspruchslösung

München – In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es bundesweit 426 postmortale Organspender – 44 mehr als im Vorjahreszeitrum. In Bayern gab es 61 postmortale Organspender, die Zahl ist ebenfalls gestiegen. Am häufigsten transplantiert werden die Nieren, gefolgt von Leber, Herz und Lunge. Mit den aktuellen Zahlen zeichnet sich für 2025 zwar eine leicht positive Tendenz ab, es sei aber laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zu früh, um von einem Trend zu sprechen. Deshalb wirbt Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) zum bundesweiten Tag der Organspende am Samstag für die Einführung der Widerspruchslösung. „Aktuell warten knapp 8100 Menschen in Deutschland auf ein lebenswichtiges Spenderorgan“, sagte sie gestern in München. „Die Zahl der postmortalen Organspender lag 2024 aber nur bei 953. Die Widerspruchslösung könnte helfen, diesen Organmangel zu lindern.“ Damit wäre jeder, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, potenzieller Organspender, wenn er nicht aktiv widerspricht. Gerlach appelliert an den Bundestag, das Thema wieder aufzugreifen.

Die Widerspruchslösung allein könnte das Problem aber nicht lösen, betonte Gerlach. Wichtig seien auch die Aufklärung der Bevölkerung und Schulungen für die Klinikmitarbeiter. Sie appellierte an alle, sich mit dem Thema zu befassen und die selbstbestimmte Entscheidung zu dokumentieren.

Der häufigste Grund, warum in Deutschland mögliche Organspenden nicht durchführbar sind, sei eine fehlende Zustimmung, sagte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO. Nur bei rund 15 Prozent aller an die DSO gemeldeten Spender lag eine dokumentierte Entscheidung des Verstorbenen vor, berichtete er. Angehörige hätten dann häufig die Sorge, etwas falsch zu machen, und entscheiden sich gegen eine Organspende.

Artikel 1 von 11