Rekordsumme für Pracht-Bullen

von Redaktion

222 000 Euro: Melodie ist der teuerste Fleckvieh-Stier aller Zeiten

Bulle Melodie hat bei seiner Versteigerung in Schwandorf den Rekord geknackt. © Rinderzuchtverband Oberpfalz

Schwandorf/Neustadt – Brav läuft Bulle Melodie am Strick im Kreis. Brauner Rücken, weiße Fesseln – das Fell des jungen Stiers glänzt. Die Stimme des Auktionators hallt durch die Lautsprecher am Zuchtviehmarkt in oberpfälzischen Schwandorf: „222 000 Euro, zum Dritten!“ Bieter 127, der Besamungsverein Neustadt an der Aisch, macht das Rennen. „Ihr dürft klatschen“, sagt der Auktionator. „Recht viel Glück mit diesem Bullen – er ist ja nicht grad billig!“

In der Tat: Melodie bricht am Mittwoch alle Rekorde. Er ist der teuerste Fleckvieh-Stier aller Zeiten. Noch nie hat eine Besamungsstation so viel bezahlt. Der letzte Rekord stammte aus Bayreuth: Vergangenes Jahr wurde dort ein Bulle für 206 000 Euro versteigert. Melodie ist jetzt elf Monate alt und bringt 530 Kilogramm auf die Waage. 419 Euro ist bei dem Rekordwert also ein Kilo wert. „Als Altbulle könnte er sogar mal auf bis zu 1000 Kilogramm kommen“, erklärt Andrea Hefner vom Besamungsverein Neustadt. „Das Gewicht ist aber nicht ausschlaggebend für uns – es geht ja vor allem um die inneren Werte, die Zuchtwerte.“

Melodie hat wirklich einen astreinen Stammbaum, seine Verwandtschaft ist alles andere als bucklig. Sein Opa Monopoly ist in Neustadt noch im Einsatz und trägt ebenfalls einen Rekord-Titel – „bester töchtergeprüfter Hornlosbulle“. Er vererbt überragende Milchmengen, Top-Fitness und bildschönes Exterieur, das Körperbau bis hin zum Euter beschreibt.

Die beeindruckende Kuhfamilie stammt übrigens von der Kuh Alpenveilchen ab. Melodies Ur-Ur-Urgroßmutter hatten dessen Züchter Florian Götz und Andreas Böhm 2013 in Tirol für 4000 Euro ersteigert. Am Mittwoch konnten sie ihren Enkel für das 55-Fache verkaufen. „Wir wussten, dass der Bulle sehr gefragt sein wird, aber mit diesem Preis hätten wir nicht gerechnet“, sagte Böhm kurz danach, selbst Stunden nach der Auktion konnte er es noch immer nicht glauben. Elf Stiere des Duos wurden bereits an Besamungsstationen verkauft. Auch ihre Bullen Happyday, Verzaubert und Zackzack stehen in Neustadt.

Künstliche Besamung ist eine Wissenschaft für sich. Die Zuchtwerte liegen immer schwarz auf weiß vor. Die Katze im Sack ersteigert man nicht. Dennoch wird sich erst noch zeigen, ob Melodie genug Sperma produziert. Schlimmstenfalls gäbe es sogar ein Rückgaberecht. Geschlechtsreif ist der Jungbulle schon jetzt, in den nächsten Wochen wird die Spermienproduktion noch wachsen. Manche Bullen steigen mit 50 Portionen pro Woche ein, andere mit 500. Erfahrene Zuchtbullen können bis zu 1500 Portionen pro Woche liefern und über 150 000 Nachkommen hervorbringen.

Hefner und ihr Team haben am Mittwoch in Schwandorf noch fünf weitere Bullen ersteigert. Insgesamt zählt ihr Besamungsverein 400 Bullen. Allein im laufenden Geschäftsjahr kamen 91 Jungbullen dazu, etwa die Hälfte von ihnen ist hornlos. So wie Melodie. Wie die Nachkommen seines Vaters Mangan wird allerdings auch sein Nachwuchs mit und ohne Hörner auf die Welt kommen. Melodies weibliche Nachkommen sollen sich durch eine enorm starke Eutergesundheit und Nutzungsdauer auszeichnen. „Für uns als Besamungsverein ist allerdings am wichtigsten, linienmäßig breit aufgestellt zu sein“, sagt Hefner. Melodie bringt frischen Wind in die Samenbank. Er ist nicht mit anderen gängigen Linien verwandt, sein Sperma kann also oft eingesetzt werden, ohne Inzucht zu riskieren.

Melodies Spermien können schon jetzt vorbestellt werden. Im August wird voraussichtlich erstmals verkauft. Premium-Kategorie: 28 Euro pro Portion. Neun Monate später werden Melodies erste Kälber geboren, zwischen 26 und 30 Monate später geben seine Töchter dann erstmals Milch. Die schönste Melodie in den Ohren der Züchter und Bauern. CORNELIA SCHRAMM

Artikel 7 von 11