Vergeblich gehofft: Höhlen-Experte Andreas Wolf. © privat
Ein Bild aus besseren Zeiten: So sah die Eiskapelle vor dem Einsturz aus. © IMAGO
Nur noch ein Bogen steht von der Eiskapelle am Fuße des Watzmanns. Auch dieser Eisrest wird wohl bald einstürzen. © Nationalpark Berchtesgaden
Schönau – Forscher hatten schon lange davor gewarnt, nun ist es passiert: Die Eiskapelle am Watzmann ist eingestürzt. Wie der Nationalpark Berchtesgaden gestern mitteilte, ist das bedeutende Geotop verschwunden – eine Folge des Klimawandels.
„Es ist bedrückend und schockierend zugleich, dass die Eiskapelle, die bereits Alexander von Humboldt im November 1797 besuchte, nun einfach weg ist. Damit verlieren wir nicht nur eine wichtige regionale Sehenswürdigkeit, sondern auch ein überregional wertvolles Geotop“, bedauert Nationalparkleiter Roland Baier. Ob sich die Eiskapelle als Hohlraum im Inneren des Firneisfeldes auf nur 900 Metern Höhe neu ausbilden wird, ist laut Nationalpark fraglich.
In Summe seien seit 1953 knapp eine Million Kubikmeter Firneis der Eiskapelle abgeschmolzen. Die warmen Niederschläge der vergangenen Wochen hätten ihr Übriges getan, bis die Eiskapelle nun nach und nach in sich zusammenbrach.
Dabei hatten die Experten zwischenzeitlich noch Hoffnung. Andreas Wolf, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, erklärt: „Mit den Flächenzuwächsen durch die schneereichen Winter zwischen 2017 und 2019 war die Hoffnung groß, dass die Eiskapelle wieder Eisstände wie in den 1980er-Jahren erreichen könnte.“ Doch danach ging es rapide bergab. „Doch dass der Kollaps schon im Sommer 2025 passiert, hat die deutsche Höhlenforschung überrascht“, sagt Wolf. Ob sich die Eiskapelle in neuer Form von selbst wieder bildet, ist völlig offen. Das hängt auch von den winterlichen Niederschlagsmengen zusammen, die sich in Form von Lawinenschnee am Fuße der Watzmann Ostwand sammeln.
Auch für Wanderer hat der Einsturz unmittelbar Folgen: „Wir warnen Wanderer eindringlich vor dem Betreten der Reste der Eiskapelle, es herrscht im gesamten Bereich der Eiskapelle akute Steinschlaggefahr. Auch der letzte, noch stehende Eisbogen und die Eiswände am Rand können jederzeit zusammenbrechen. Vor Ort kracht und rumpelt es im Minutentakt“, sagt Nationalparkleiter Baier. Auch die Zustiege in die Watzmann-Ostwand sind betroffen. Wer dort eine Tour plant, soll sich laut Nationalpark dringend vorab über die aktuelle Situation informieren.DG