Eines der Skelette hatte eine Pfeilspitze im Rücken.
Zwei Doppelgräber geben den Forschern vorerst noch Rätsel auf. Alle vier Tote waren Männer.
Archäologen legten bei Grabungen im Vorfeld der Verlegung der Erdkabel von SuedOstLink jahrtausendealte Skelette frei. © Tennet (3)
Sengkofen – Archäologen haben im Vorfeld der Tiefbauarbeiten für die Gleichstromleitung SuedOstLink nahe Sengkofen im Landkreis Regensburg aufsehenerregende Funde gemacht. Sie geben Einblicke in die alte Siedlungsgeschichte der Region südlich der Donau.
Das Bauprojekt SuedOstLink geht zügig voran, und die archäologische Untersuchung des Bodens ist gesetzlich vorgeschrieben. Das Landesamt für Denkmalpflege hat Bereiche identifiziert, in denen mit archäologischen Funden zu rechnen war, insbesondere im Gebiet südlich der Donau. „Die Funde sind eine wissenschaftliche Sensation“, berichtet der Grabungsleiter Dieter Heyse. Besonders zwei Doppelgräber sind erstaunlich: „Es handelte mindestens einmal um zwei Männer, die Rücken an Rücken bestattet wurden“, sagt Heyse. Das Besondere ist: „Die Männer stammten alle aus der Region, während die Frauen von außerhalb kamen.“ Ob sie entführt wurden, kann der Grabungsleiter nicht sagen. Allerdings gab es offenbar kriegerische Auseinandersetzungen. „Ein Skelett hatte eine Pfeilspitze im Rücken. Ob das Rückenmark verletzt war, müssen die Untersuchungen noch ergeben.“
Anhand von Grabbeigaben wie Keramikgefäßen, Kupferdolchen und Pfeilspitzen schließen die Archäologen außerdem darauf, dass die Bestatteten der Glockenbecherkultur angehörten.
Bereits seit mehreren Monaten laufen die Ausgrabungen unter der Aufsicht des Landesamts. In der Nähe von Sengkofen wurden rund 22 menschliche Skelette gefunden, die Hockerbestattungen darstellen. Eine genaue Datierung der Knochen steht noch aus, doch sie werden in die Zeit zwischen 2800 und 2200 vor Christus eingeordnet. Genauere Analysen sollen klären, warum die vier Personen in Doppelgräbern bestattet wurden. Weitere Funde, wie ein Ofen und Pfostenlöcher, deuten auf eine frühere Besiedlung hin. Außerdem wurde eine Brunnenanlage gefunden, die etwa 5500 Jahre alt ist und der noch älteren Altheimer Kultur zugeordnet werden könnte. „Ein Befund, der nicht nur für Süddeutschland, sondern auch im europäischen Vergleich als außergewöhnlich und sehr selten gilt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Stromnetzbetreibers Tennet. Der Freistaat sorgt für die Konservierung, Restaurierung und Lagerung der Funde, gemäß dem Schatzregal im Bayerischen Denkmalschutzgesetz gehören sie der Allgemeinheit.JOHANNES WELTE