Schickimicki-Alarm im Tegernseer Tal?

von Redaktion

„Reichtum frisst Brauchtum“: Filmemacher Claus Elßmann über seine kritische Doku

Promi-Gastgeber: Michael und Clarissa Käfer, Evelyn und Philip Greffenius auf Gut Kaltenbrunn. © API

Tegernsee – Eine Doku sorgt für Aufsehen im Tegernseer Tal. Der Münchner Filmemacher Claus Elßmann hat auf YouTube einen 45-minütigen Beitrag unter dem Titel „Kampf um den Tegernsee – Reichtum frisst Brauchtum“ veröffentlicht. Darin blickt er kritisch auf die High Society, für die das Tegernseer Tal zum beliebten Refugium geworden ist. Und spricht mit Einheimischen über die Frage, ob durch den Schickimicki-Ansturm das Brauchtum der Talbewohner auf der Strecke bleibt. Der Film steht erst seit wenigen Tagen im Netz, wurde aber bereits mehr als 70 000 Mal angesehen.

„Der Film trifft den Nerv der Menschen, weil er die Dinge klar anspricht, über die sonst nur beim Stammtisch gemurmelt wird. Nur wenige haben den Mumm, öffentlich darüber zu sprechen“, sagt Elßmann, der mit seiner Firma Pallas Film zuvor schon etliche Promi- und Reise-Dokus gedreht hat. Er berichtet, die Einheimischen fühlen sich von den „millionenschweren Zuagroasten“ überrannt.

Er sei bei einem Dreh im Tegernseer Bräustüberl auf die Idee zu dem Film gekommen. Denn an vielen Orten am Tegernsee seien die Großkopferten aus Politik und Wirtschaft omnipräsent, während in Gmund eine Tafel Essen für diejenigen ausgibt, die sich das Leben im Tal nicht mehr leisten können. „Es gibt eben auch die anderen Leute, die häufig verdrängt werden und nicht zu Wort kommen. Denen wollte ich eine Stimme geben.“

Im Netz wird bereits emotional über den Film diskutiert. Ein junger Trachtler spricht im Film über „des ganze Gschmoas, des do oschwoabt“, also über die Geldigen, die sich am See teure Champagner-Partys gönnen. „Der junge Mann bringt‘s auf den Punkt“, schreibt ein Kommentator auf YouTube. Ein anderer sieht die Schuld auch bei den Einheimischen: „Jeder Baugrund, auf dem ein Auswärtiger eine Villa baut, wurde einmal von einem Einheimischen verkauft.“ Michael Käfer, der auf Gut Kaltenbrunn am Tegernsee jährlich den Almauftrieb mit hoher Promi-Dichte organisiert, kommt im Film auch zu Wort. Er sagt, ein alteingesessener Tegernseer habe es in einer Anekdote mal gut zusammengefasst: „Der hat gesagt: Das Besondere am Tegernsee war schon früher, dass der Herzog zusammen mit seinem Jäger in der gleichen Wirtschaft war.“

Elßmann sagt, er habe viel positive Resonanz bekommen. Der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn habe ihm geschrieben, er habe den Nagel auf den Kopf getroffen. „Wir haben ja auch nichts übertrieben, manches vielleicht lediglich ein wenig zugespitzt.“ Die erste Abmahnung habe er aber auch schon auf dem Tisch. Von der Anwältin eines Veranstalters eines Society-Events.GAB/MM

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