Schleuser-Fall: Angeklagter streitet alles ab

von Redaktion

Traunstein – Im Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer internationalen Schleuserbande hat einer der Angeklagten die Vorwürfe bestritten. Die anderen drei Männer, darunter der Hauptangeklagte, schwiegen zum Verfahrensauftakt vor dem Landgericht Traunstein. Dem mutmaßlichen Komplizen wirft die Staatsanwaltschaft vor, er habe in Deutschland den zuvor eingezahlten Schleuserlohn ausgezahlt. Der 44-Jährige aus Niedersachsen sei im Rahmen des sogenannten Hawala-Systems als Treuhänder für ein Zahlungsbüro aktiv gewesen.

Der Angeklagte räumte die illegalen Transaktionen ein. Wofür das Geld jeweils bestimmt war, habe er jedoch nicht gewusst. Er habe vermutet, es sei etwa für Autoverkäufe oder für die Unterstützung von Angehörigen. „Ich habe mit Schleusungen nichts zu tun“, beteuerte er. „Sie versuchen sich darzustellen als Außendienstmitarbeiter, der wenig Ahnung hatte“, sagte Richter Volker Ziegler. Allen Angeklagten legte er nahe, sich umfassend zu äußern: Im Falle eines Schuldspruchs müssten sie „damit rechnen, dass hier sehr hohe Strafen verhängt werden“.

Die vier Angeklagten, drei Syrer und ein Deutscher zwischen 28 und 44 Jahren, sollen führende Mitglieder eines international agierenden Schleuser-Clans sein. Sie waren im November in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Laut Anklage schleuste die Bande als Teil eines international aktiven Netzwerks fast 800 Menschen nach Deutschland ein. Das Urteil soll im Dezember fallen.DPA

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