Ein Hoch auf die Philosophie: Hochschul-Präsident Johannes Wallacher, Kardinal Marx, Jesuiten-General Arturo Sosa und Wissenschaftsminister Blume (v.l.n.r.). © Marcus Schlaf
München – Zu dieser Feier in der Münchner Kaulbachstraße und zuvor zum Gottesdienst in der Jesuitenkirche St. Michael haben sich am Freitag viele kritische Geister versammelt: Die Hochschule für Philosophie München (HFPH), eine renommierte Institution der Jesuiten, feierte ihr 100-jähriges Bestehen.
Dass dafür der oberste Jesuiten-General Arturo Sosa SJ aus Rom angereist war, zeigt, welche Wertschätzung diese Hochschule bei den Jesuiten und weit darüber hinaus genießt. Kardinal Reinhard Marx und Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) versicherten der Hochschule ihre Unterstützung. Und das trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten. „Ich verspreche auch für die Zukunft, hier Unterstützung zu geben“, sagte Marx. Allerdings schob er mit einem Augenzwinkern hinterher: „Ich habe aber keine Zahl genannt.“
Bereits in seiner Predigt hatte Marx die Unverzichtbarkeit der Philosophie unterstrichten. „Denken ist anstrengend, aber es macht frei.“ Wenn dieser Austausch zwischen den Menschen aufgegeben werde, zerstöre das die Zukunft des Menschheitsgeschlechts, sagte er in der bis auf den letzten Platz gefüllten Michaels-Kirche. Man müsse die Dinge „von Innen heraus verstehen“. Das Lernen und Weiterdenken seien unverzichtbar, führte er beim Festakt in der Hochschule weiter aus. Derzeit würden die Moderne und die Aufklärung angegriffen. „Die Hoffnung, dass sich alle Menschen verstehen können, wird infrage gestellt.“ Die Grundlagen der Demokratie, die Menschenrechte und die Würde des Menschen stünden auf dem Spiel. Aufgabe einer Hochschule für Philosophie sei es nicht, moralische Appelle abzusondern. Sie müsse vernünftige Gründe dafür liefern, warum es etwas gebe, das alle Menschen miteinander verbinde.
Unterstützung für den „Diamanten in unserer bayerischen Hochschullandschaft“ versprach auch Wissenschaftsminister Blume. Er nannte die Hochschule einen „bayerischen Thinktank“. In einer technologisch sich dramatisch verändernden Welt brauche es Urteilskraft und den Zweifel. Gerade auch in der Beschäftigung mit der Künstlichen Intelligenz. Unter den Festgästen waren Herzog Franz von Bayern, altgediente CSU-Granden wie Theo Waigel und Erwin Huber (jüngst Absolvent!), aber auch der frühere FDP-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und der ehemalige SPD-Fraktionschef Franz Maget. Philosophie verbindet – auch über Parteigrenzen hinweg.CM