KOLUMNE

Leben in allen Dimensionen

von Redaktion

König Ludwig I. und seine Gemahlin, die evangelische Therese, eine kluge Frau mit viel politischem Sachverstand, feierten am 12. Oktober 1835 ihre Silberhochzeit. Also vor genau 190 Jahren. Am gleichen Tag fand die Grundsteinlegung für Sankt Bonifaz in München statt, die benediktinische Basilika in der Karlstraße. Die Weihe von Kirche und Kloster brauchte zwar noch ein Weilchen – 1850 war es aber so weit. Der König schenkte der Abtei seines Lieblingsordens zum Unterhalt das Kloster Andechs. Eine hervorragende Idee, wie sich bis heute zeigt.

Nach so viel ehemaligen Festlichkeiten und prächtigen Präsenten ist heuer Anlass zu neuer Freude. 175 Jahre Bestehen feiert St. Bonifaz – als Mitglied des Kuratoriums der Freunde der Benediktinerabtei bin ich mit Begeisterung dabei. Es ist gut zu sehen, wie viel Segen von einem Kloster mitten in der säkularen Stadt ausgeht. Kunst und Wissenschaft, Spiritualität und Seelsorge, Obdachlosenhilfe und Gärtnerei – alles da, was der Mensch braucht und das Herz begehrt. Ludwig I., der in St. Bonifaz beigesetzt wurde, kann dort mit seiner Therese wirklich zufrieden ruhen.

Obwohl… In einer Woche steuern die vielen Veranstaltungen einem kulturellen Höhepunkt entgegen – der Jubiläumsvigil. Eine Vigil ist eine Nachtwache, ein abendliches Gebet. Besonders empfehlenswert, um wieder einmal zur Besinnung zu kommen. Natürlich macht St. Bonifaz auch daraus wieder ein echtes Event. Am Samstag, 18. Oktober, um 19 Uhr starten Licht, Text und Projektion. Gesungenes Stundengebet, Violine und Orgel, Orgel und Percussion, Vokalmusik und Improvisation – die auftretenden Künstler und Künstlerinnen geben alles. Das reicht den Benediktinern und uns, ihren Freunden, nicht so ganz. Sie und wir lassen uns gerne immer noch etwas mehr einfallen.

Es gibt viele Festgottesdienste und weitere musikalische Highlights. Ein paar Wochen später, am Freitag, 24. November, kommt Oberbürgermeister Dieter Reiter mit seiner Klampfe vorbei und rockt mittags beim Obdachlosenessen die Bude. Mit „in Frieden ruhen“ ist das in dieser Kirche so eine Sache. Ludwig und Therese freuen sich wahrscheinlich von höherer Warte mit, dass hier Leben angesagt ist – und das in allen Dimensionen.

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