München – Die Ermittlungen laufen seit fünf Jahren: In dieser Zeit zeigte sich, dass es Polizei und Zoll nicht nur mit einem schwarzen Schaf zu tun haben. Stattdessen tat sich ein ganzes kriminelles Netzwerk in Südbayern auf. Es gibt rund 70 Beschuldigte, die für einen Schaden von 20 Millionen Euro verantwortlich sein sollen. Ihnen wird vorgeworfen, Afghanen systematisch in Märkten einer Handelskette als Regal-Einräumer eingesetzt zu haben. Unter dem Mindestlohn, ohne die Zahlung von Sozialabgaben. Die kriminellen Machenschaften fanden hauptsächlich im Landkreis Garmisch-Partenkirchen statt.
Betroffen sind unter anderen Supermärkte in Murnau und Garmisch-Partenkirchen. In Unterammergau gab es zudem eine Wohnungsdurchsuchung. Zu den Hauptverdächtigen in dem Verfahren gehört laut Werner Bommersbach vom Hauptzollamt Rosenheim ein 53-Jähriger aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ins Visier der Ermittler ist seit 2020 auch ein Mitarbeiter der betroffenen Handelskette geraten, der die Aufträge an die Subunternehmer vergeben hat.
Laut Staatsanwalt Klaus Liebl muss man sich im vorliegenden Fall ein System mit mehreren Ebenen und einem Dickicht an Strohgewerbe vorstellen. Mehrere verschiedene Tätergruppen setzten ganz unten die Afghanen direkt in den Supermärkten ein. „Dabei wurde der Mindestlohn systematisch nicht gezahlt“, erklärt Bommersbach. In der Ebene darüber gab es eine Vielzahl von Subunternehmern, die immer wieder neue Firmen gründeten. Und in Kontakt mit den Organisatoren in der obersten Ebene stehen. Den Beschuldigten wird Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt, gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. In München und im südlichen Oberbayern gab es 100 Durchsuchungen, 500 Konten wurden durchleuchtet und acht Haftbefehle ausgestellt. Vier Männer konnten gefasst werden, drei sind auf der Flucht, ein Haftbefehl wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Am Landgericht München I hat ein erster Prozess begonnen.NADJA HOFFMANN