Einen Tag lang Arzt spielen

von Redaktion

Winnie Puuh hat starke Kopfschmerzen. Seine Freundin Tara verbindet sofort seinen Kopf.

Gewusel am Krankenbett. Der Teddy bekommt gleich vier Spritzen gleichzeitig.

Asja untersucht ihre kuschelige Freundin Skye. Die Hündin hat sich am Fuß verletzt. Bei der Behandlung wird Asja von Studenten der LMU und TU unterstützt. © Marcus Schlaf (3)

München – Asja grinst und zieht sich einen blauen Mundschutz über Mund und Nase. Er ist viel zu groß. Kein Wunder, sie geht ja auch noch in den Kindergarten. Medizinstudentin Laureen gibt ihr eine große Spritze, um Mimi in Narkose zu versetzen. Mimi ist ein Teddybär und hat eine große Wunde am Bauch. Sie liegt auf einem Krankenhausbett. Konzentriert drückt Asja den großen Kolben runter und schaut Mimi an. Die Teddybär-Dame ist sofort eingeschlafen. Jetzt muss die Wunde am Bauch geöffnet werden. Zum Glück hat die Bärin da einen Reißverschluss. Asja zieht daran und die Teddyorgane aus Plastik und Stoff kommen zum Vorschein. „Das ist das Herz“, sagt Asja aufgeregt. Den langen Darm kennt das Mädchen allerdings noch nicht. „Da ist die Schokolade drin, die du vorhin gegessen hast“, sagt eine der Medizinstudentinnen zu dem Mädchen. Mit ihren großen dunklen Augen schaut sie den Stoffdarm an und kichert.

Die Teddyklinik findet zweimal im Jahr statt. Dort können rund 600 Kindergartenkinder aus dem Großraum München drei Tage lang die München Klinik besuchen. Und zwar einen Raum, der wie ein Krankenhaus aufgebaut ist. Vor Ort sind knapp 300 Teddy-Docs und Teddy-Krankenschwestern, die den Kindern spielerisch die Angst vorm Arztbesuch nehmen. Die Humanmedizin-, Zahnmedizin- und Pharmaziestudenten von LMU und TU bieten den Kindern mehrere Stationen an. Auch Pflegefachkräfte sind seit vergangenem Jahr mit an Bord.

Die Teddyklinik gibt es schon seit vielen Jahren, sagt Oliver Muensterer, der Chefarzt der LMU-Kinderchirurgie. „Die Kinder haben so weniger Angst und mehr Wissen über Hygiene.“ Die Studenten können den Umgang mit jungen Patienten üben. Das bestätigt auch Britta Klinge. „Ab dem fünften Semester muss das theoretische Wissen umgesetzt werden“, sagt die 25-jährige, die gerade ihre Doktorarbeit schreibt. Sie ist bereits seit Jahren an der Organisation beteiligt.

Auch Tara hat heute einen Patienten dabei: Winnie Puuh. Und der hat nicht nur Honig genascht. Er hat Bauchweh. Deswegen geht die Fünfjährige mit ihm zum Ultraschall. Sie legt Winnie Puuh auf den Tisch und fährt mit dem Gerät vorsichtig über seinen Bauch. Der Pappmonitor lässt keine Zweifel zu: Er hat zu viel Schokolade gegessen. Die liegt dem Bären jetzt schwer im Magen. „Deswegen hat er auch Kopfschmerzen“, sagt Medizinstudentin Maia. Winnie Puuh bekommt also auch noch einen großen weißen Verband von Tara um den Kopf gewickelt.

Die Vorbereitungen für die Teddyklinik haben schon im August begonnen. „Es ist alles selbst gebastelt“, sagt Nadine Münsterer, eine der Organisatorinnen. Röntgenröhren aus Pappe, Mikroskope aus Waschmittelflaschen. Materialien wie Pflaster, Verbände und Spritzen bekommen sie gespendet. Meist handelt es sich dabei um abgelaufene Materialien, die die Studenten anschließend „kindersicher“ machen. Denn aus den Spritzen müssen natürlich die Nadeln entfernt werden.

Naschbär Winnie Puh muss nach seinem Ultraschall auch noch zum Zahnarzt, entscheidet Tara. Dort blickt sie mit einem kleinen und einem großen Spiegel in seinen Mund und stellt fest: Karies. Seufzend schaut sie ihren Bären an, der sich mit der Schokolade die Zähne kaputt gemacht hat. Sie weiß, dass man sich immer gründlich die Zähne putzen muss. Sie greift nach einer großen lila Zahnbürste und schrubbt das Gebiss eines Tigers, der neben Winnie Puuh auf dem Behandlungstisch sitzt. Hoffentlich hat ihr Bär auch gut aufgepasst.

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