Frust über die Berg-Vandalen

von Redaktion

Zerstörungs-Serie am Watzmann wird zur Gefahr für die Retter

Das einzige Fenster wurde grundlos eingeschlagen.

Die Hocheck-Schutzhütte am Watzmann – gebaut als Refugium bei Unwettern.

Eingetreten: Über eine Zwischenwand gelangten die Vandalen in die Hütte.

Die Zerstörungswut kostet die Bergwacht viel Geld und Arbeitszeit. © BRK BGL (4)

Ramsau – Die Hocheck-Hütte hat schon viele Leben gerettet. Nur wenige Quadratmeter klein, wird sie zum großen Schutz, wenn in über 2000 Metern Höhe Blitze vom Himmel zucken. Sie ist der einzige Unterstand zwischen Watzmannhaus und Wiembachgrieshütte im Berchtesgadener Land. Als eine der spektakulärsten Gratwanderungen der Alpen zieht die Tour viele Bergsteiger in den Bann – und Bergwachtler auf den Plan. Seit einiger Zeit ist die kleine Hütte ein großes Ärgernis. Denn regelmäßig wird sie mutwillig demoliert.

„Wenn man sich die Ausmaße der Zerstörung anschaut, lässt einen das einfach nur sprachlos zurück“, sagt Michael Renner, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau. „Und dieses Mal liegt ein ganz anderes Kaliber vor, diese Schäden zeugen von einer neuen Eskalationsstufe.“ Allein heuer hat die Bergwacht als Besitzerin der Schutzhütte viermal Anzeige wegen Sachbeschädigung und Vandalismus erstattet. Auch diese Woche wieder, wie die Grenzpolizei Piding bestätigt.

In der letzten Oktoberwoche hatte ein Wanderer ein Loch in der Zwischenwand der Hütte gemeldet. Im Sommer erst hatte die Bergwacht diese eingebaut, um den öffentlich zugänglichen Schutzraum zu verkleinern. Nachdem die Hütte unzählige Male von Müll, Dreck und sogar Fäkalien befreit worden war. Wohl Hinterlassenschaften von Menschen, die hier gezielt campiert und gefeiert hatten. Der zweite Raum, in dem Equipment für Rettungseinsätze im unwegsamen Terrain sowie Schlafsäcke und trockene Kleidung lagern, sollte nur noch Wanderern in Not zur Verfügung stehen.

Wer seitdem vom Hocheck aus den Notruf wählte, bekam über ein Vorhängeschloss Zugang. Wer auch immer die Schutzhütte aber zuletzt verwüstet hat, hat so einen Notruf nie abgesetzt. „Die Spuren am Schloss deuten darauf hin, dass jemand versucht hat, es mit einem Eispickel oder Steigeisen zu öffnen – und zwar mit brachialer Gewalt“, sagt Renner. An Allerheiligen mussten Bergwachtler ihr Depot per Flex öffnen. „Im Ernstfall wären wir bei einem Einsatz ohne Werkzeug nicht mehr reingekommen und hätten weder Ausrüstung noch die Hütte als Stützpunkt nutzen können“, sagt Renner. So wird Vandalismus zur Gefahr, wenn der Helikopter mal nicht fliegen kann.

Am Schloss sind der oder die Täter gescheitert, also trat man die Zwischenwand ein. „Um nicht nur eine Bank zum Sitzen zu haben, sondern auch das Nachtlager gemütlich aufschlagen zu können“, vermutet man bei der Polizei. Müll blieb wie so oft zurück – und massig Schnee. 15 Zentimeter lagen im kleinen Notraum, weil die Tür offen stand. „An der Westseite ist das einzige Fenster ohne erkennbaren Grund eingeschlagen worden“, sagt Renner. Auch von der Wetterseite aus konnten Regen und Schnee also über Tage eindringen. „Die Holzwand ist wohl nicht mehr zu retten. Insgesamt ist so viel Feuchtigkeit in der Hütte, dass darin wirklich ein modriger Gestank herrscht.“

Auch knapp 200 Kilometer Luftlinie entfernt herrscht Frust. Die rote Biwakschachtel am Jubiläumsgrat zwischen Alpspitze und Zugspitze im Kreis Garmisch-Partenkirchen ist nur wenige Wochen nach ihrer Instandsetzung vollgemüllt zurückgelassen worden. Die Mitarbeiter der DAV-Sektion München und Oberland fanden sogar in die Matratzen geschmierte Essensreste vor. Ihr Sprecher Markus Block schaut im Hinblick auf diese „Verrohung der Gesellschaft“ besorgt auf die kommenden kalten Monate, in denen es in den vergangenen Jahren immer wieder erhebliche Schäden in Winterschutzräumen gegeben hatte.

Diese pure Zerstörungslust kostet viel (Spenden-)Geld. Die Bergwacht Ramsau hat schon tausende Euro in die Reparaturen der Hocheck-Schutzhütte gesteckt. Jetzt stehen wieder umfangreiche Arbeiten an. Renner will sich mit der Nationalpark-Verwaltung zusammensetzen und über die Zukunft der Schutzhütte sprechen. „Bis dahin wird sie auch im teils morschen Zustand noch Leben retten“, sagt er. CORNELIA SCHRAMM

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