Valentine Gesché in Rovereto am Gardasee.
Kurz vor dem Nordkap begegnete Valentine Gesché sich selbst. Sie war bereits 22 Tage mit dem Fahrrad unterwegs, hatte die italienischen Weinberge hinter sich gelassen, die Alpen, viele historische Alleen. Die 39-Jährige startete im Sommer mit rund 500 Menschen aus aller Welt zum NorthCape 4000 – mit dem Fahrrad 4000 Kilometer über acht Länder bis in den hohen Norden. Ein riesengroßes Abenteuer. Die Route war vorgegeben, Unterkünfte, Verpflegung, Etappen und alles andere mussten die Radler selbst organisieren. Unterwegs gab es vier Kontrollstationen, an denen sich die Teilnehmer einen Stempel abholen mussten.
Gesché ist in Egling im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aufgewachsen, heute lebt sie in München. Ihre erste große Radltour machte sie vor drei Jahren: von München nach Hamburg. 1100 Kilometer in zehn Tagen. Dann kam die Idee, am NorthCape4000 teilzunehmen. „Viele meiner Freunde hielten mich für verrückt“, erzählt sie. Die Tour begann in Rovereto am Gardasee. Auf der Fähre nach Ystad lernte sie zwei weitere Teilnehmerinnen kennen, mit ihnen radelte sie den Rest des Weges. Unterwegs gab es immer wieder atemberaubende Momente. Sie erinnert sich zum Beispiel an einen schmalen Landstreifen, links und rechts Wasser, auf einer Seite der Sonnenuntergang und auf der anderen schon die Sterne. „Das war einfach magisch. Ich bin so dankbar, dass ich das erleben durfte.“
Aufgeben war für sie während der gesamten 4000 Kilometer keine Option. Nicht einmal bei einer Woche Dauerregen. Sie habe sich auf der Tour selbst neu kennengelernt, sagt sie. Ihre mentale Stärke war größer, als sie dachte. Man müsse den Moment genießen und das Ziel im Blick behalten, sagt sie. „Wichtig ist es, sich bewusst zu machen, wie besonders jeder einzelne Augenblick ist.“ Rückblickend sagt sie, ihr Abenteuer habe ihr eines bewiesen: „Das Glücksgefühl, nach dem wir alle streben, steckt wirklich in kleinen Momenten.“ ANASTASIA BONDARENKO