Training für den Terror-Fall

von Redaktion

Geiselnahme und Sprengsatz in der U-Bahn: Polizeiübung mit 500 Teilnehmern in Fröttmaning

Einsatz-Trainer des Polizeipräsidiums: Thomas Köpp.

Attrappe: der Sprengsatz auf dem U-Bahn-Sitz.

Trainings-Einsatz auf engstem Raum: Die Beamten holen einen Störenfried aus einem Linienbus.

Realistisches Szenario: Die Beamten schalten den Terror-Schützen auf dem U-Bahnsteig aus. Er hat in der Übung zuvor auf Fahrgäste geschossen. © Astrid Schmidhuber (4)

Fröttmaning – Fahrgäste rennen panisch aus einem U-Bahn-Waggon und rufen um Hilfe. Während sie um ihr Leben rennen, fallen hinter ihnen immer wieder Schüsse. Einer schafft es nicht zu entkommen und wird von dem Täter im Holzfällerhemd als Geisel genommen. Die Polizisten, die den Bahnsteig stürmen, schaffen es zwar, den Terror-Schützen auszuschalten. Doch dann entdecken sie den Sprengsatz in der U-Bahn.

Es ist ein absolutes Horror-Szenario, das die Beamten des Münchner Polizeipräsidiums in Fröttmaning erwartet. Und es ist, auch wenn es sich nur um eine Übung handelt, eine echte Herausforderung für die Einsatzkräfte. 500 von ihnen trainieren in dieser Woche für den Terror-Ernstfall in Bus und Bahn. Eine derart große Übung gab es in Zusammenarbeit mit der MVG bislang noch nicht.

Ein ganzer Bahnsteig wird der Polizei und ihren Einsatz-Trainern von der PI Sonderdienste von Dienstag bis Freitagvormittags zur Verfügung gestellt, genauso wie zwei Züge, die laut Stefan Winkler von der MVG derzeit in Wartung sind. Wer per U-Bahn in Fröttmaning ankommt, wird per Durchsage gewarnt: „Hier findet eine Polizeiübung statt – bitte nicht erschrecken.“ Grund dafür gebe es genug angesichts der lauten Schüsse, der schreienden Menschen und der vielen schwerbewaffneten Polizisten.

Am Donnerstag ist es an den Beamten des Abschnitts Ost – also von den Inspektionen 21 bis 32 im Münchner Osten – sich den Herausforderungen zu stellen. „Für sie gibt es fünf Stationen, die sie von 8 bis 14 Uhr durchlaufen“, erklärt Polizeisprecher Ralf Kästle. Eine davon ist ein leerer Linienbus, der auf dem Parkplatz des MVG-Betriebshofs steht. Das Szenario hier: Ein Betrunkener bedroht im Bus andere Fahrgäste verbal. Als die Polizisten reingehen, keilt er sich ein. „Er leistet passiven Widerstand“, erklärt der Trainer den Übungsteilnehmern. Für sie gilt es jetzt, gelernte Handgriffe auf engstem Raum anzuwenden und den Störenfried sicher nach draußen zu bringen. Nach dem Durchlauf stehen die Polizisten schnaufend in der Kälte. Keiner von ihnen musste so eine Situation schon mal im echten Einsatz meistern. Deshalb seien solche Trainings so wichtig, sind sie sich einig.

Für die Gruppe geht es im Anschluss zu der Station von Thomas Köpp am U-Bahnsteig. Der Trainer stattet die Beamten mit Schutzkleidung und Übungs-Maschinenpistolen aus. Dann erklärt er das Szenario: Die Teilnehmer erfahren, dass ein bewaffneter Mann in der U-Bahn Schüsse abgibt. „Den Sprengsatz habe ich dabei nicht erwähnt“, verrät er. Der Moment, in dem die Teilnehmer die Bombe auf dem U-Bahn-Sitz entdecken, gibt dem Einsatz eine noch dramatische Wendung. Jetzt heißt es einmal mehr, ruhig zu bleiben, den Gefahrenbereich schnellstens zu räumen. Hochbrisante Minuten, in denen sich die Polizisten im Chaos bewähren müssen.NADJA HOFFMANN

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