Hunderte Aufkleber verschandeln das goldene Kreuz.
Hubschrauberpilot David Ruech brachte das Kreuz von der Zugspitze ins Tal.
Abtransport im Tal: Das Gipfelkreuz der Zugspitze wird auf einen Anhänger geladen. © Dominik Bartl (3)
Das Zugspitz-Gipfelkreuz wird mit einem Helikopter ins Tal geflogen, um dort restauriert zu werden. © Peter Kneffel/dpa
Garmisch-Partenkirchen – Das über und über mit Aufklebern bedeckte Gipfelkreuz der Zugspitze ist für eine Restaurierung ins Tal geflogen worden. Hunderte Sticker verunzierten zuletzt das markante Kreuz auf Deutschlands höchstem Berg. „Das Kreuz ist sehr stark beklebt, dennoch versuchen immer wieder Bergsteiger, ihren Aufkleber dort oben zu platzieren“, erklärt Laura Schaper, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. „Teilweise springen sie hoch, um noch eine freie Stelle zu finden.“ Unter großer Absturzgefahr. Sicherheit gehe aber vor. Das Kreuz soll auch eine Schutzfolie bekommen, sodass das Aufkleben von Stickern nicht mehr möglich sei.
Die Demontage und der Transport des 4,88 Meter hohen und 300 Kilogramm schweren Kreuzes ins Tal war aufwendig. Ein Helikopter holte es am Gipfel in 2962 Metern Höhe ab. „Die Herausforderung war sicher der starke Wind oben auf der Zugspitze“, schilderte Pilot David Ruech. Es sei aber alles reibungslos abgelaufen.
Im Tal wurde das Kreuz auf einem Anhänger in die Werkstatt der Kunstschmiedin Andrea Würzinger nach Eschenlohe gebracht, deren Vater das Kreuz 1993 gebaut hat. Würzinger wird die dicke Schicht Aufkleber vorsichtig entfernen, den Untergrund schleifen und anschließend Lack und neues Blattgold aufbringen. Sie habe 500 Blatt hauchdünnes Blattgold in der Größe von acht mal acht Zentimeter bestellt, sagte sie. Kosten: rund 1500 Euro.
Die Sticker-Wut der Besucher ist in den vergangenen Jahren eskaliert. Als das Kreuz etwa 15 Jahre nach seiner Errichtung erstmals nachvergoldet wurde, hätten darauf drei Sticker geklebt, berichtet Würzinger. Bei der Neuvergoldung zum Start der neuen Zugspitzseilbahn 2017 waren es bereits rund 70 – und nun kleben Hunderte Sticker in drei Lagen auf dem Kreuz.
Würzinger wird sich auch die vier Strahlen des Kreuzes genau ansehen. Schon zwei Mal war in der Vergangenheit einer davon abgebrochen. Die Kunstschmiedin vermutet, dass sich Besucher im Winter, wenn der Schnee hoch genug liegt, für ein Foto an die Strahlen hängen. Dabei könnten kleine Risse entstehen, sodass später ein kräftiger Sturm reicht, um einen Zacken abzureißen – zumal in der Höhe neben dem Wind auch extreme Temperaturschwankungen auf das Material wirken.
Zum Start der Skisaison am 28. November – so hoffen die Zugspitzbahn und die Kunstschmiedin – sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und das Kreuz wieder auf seinem Platz stehen. Allein die Restaurierung soll nach Angaben der Bayerischen Zugspitzbahn einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag kosten.
Um Gästen eine sichere Möglichkeit zu geben, Aufkleber anzubringen, hat die Zugspitzbahn inzwischen an der Bergstation ein zweites, kleineres Kreuz nach dem Abbild des Originals aufgestellt, das nach Lust und Laune beklebt werden darf.D. BARTL/S. DOBEL