So sollte es mal aussehen – das Almdorf am Tegernsee. Doch bislang hat sich trotz jahrelanger Planung nichts getan auf dem 4700 Quadratmeter großen Grundstück. © Tegernseer Grund Immobilien GmbH
Tegernsee – Die 4700 Quadratmeter große Fläche am Wanderparkplatz zur Neureuth im Kreis Miesbach ist eine Brache mit einem der wohl schönsten Ausblicke auf den Tegernsee. Seit 13 Jahren plant die Ernst Tengelmann Projekt GmbH hier an einem exklusiven Hotel-Projekt, dem Almdorf. Es soll aus zehn Almen bestehen, die jeglichen Komfort bieten. Doch eine Verwirklichung ist bisher nicht in Sicht, auch wenn zuletzt mit kleineren Erdarbeiten der Eindruck vermittelt wurde, der Bau würde beginnen. Das war 2024.
Wird das Almdorf je gebaut? Zuletzt ließ sich der Tegernseer Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG) am Rande einer Bauausschuss-Sitzung zu einer Nachfrage zum aktuellen Sachstand hinreißen. „Es gibt nichts Neues“, konnte Bauamtsleiterin Bettina Koch nur antworten. Sie wies jedoch darauf hin, dass die Stadt auf den Rechtsanwalt der Antragsteller warte, um den Durchführungsvertrag mit der Stadt zu besprechen.
Der Durchführungsvertrag ist Voraussetzung für die Genehmigung der bereits vierten Tektur. Darin verpflichtet sich der Bauherr zur Vollendung des Projekts binnen 36 Monaten. Der Stadtrat hatte 2024 die erneute Tektur befürwortet – „unter Vorbehalt, bis der Durchführungsvertrag unterzeichnet ist“, erklärt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Laut Landratsamt ist die Tektur noch nicht genehmigt.
Hagn versucht, das Projekt grundsätzlich einzuordnen: „Das Almdorf wurde noch von meinem Vorgänger aufgegleist. Inzwischen hat sich vieles verändert, und es stellt sich die Frage, ob das Almdorf noch zeitgemäß ist.“ Er sei aber kein Hotelexperte, um das zu beurteilen. Die Stadt schaffe lediglich die Rahmenbedingungen.
Christian Kausch, Chef der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) ist Experte und beantwortet die Frage, wie wichtig exklusive Projekte wie das Almdorf für Tegernsee seien, mit einem „eindeutigen Ja“. „Das Tegernseer Tal lebt von einer großen Vielfalt seiner Angebote vom Bauernhof bis zum Fünf-Sterne-Hotel“, sagt Kausch. „Gäste erwarten immer mehr Qualität, Entertainment und Zusatzleistungen, die möglichste individuell und kurzfristig verfügbar sind. Dafür sind sie auch bereit zu zahlen.“ Bedarf bestehe vor allem an mehr Betrieben, die Ein- oder Zweinächter aufnehmen wie auch Gruppen und ausländische Gäste bedienen können.
Auf Nachfrage äußert sich Projektentwickler Rainer Leidecker nun zuversichtlich. „Im Durchführungsvertrag, der bereits vorlag, wurde wegen der Tektur eine Optimierung vorgenommen“, sagt Leidecker. „Der Vertrag befindet sich in der finalen Abstimmung.“ Er rechne damit, dass die Unterschriften demnächst getätigt werden.
Was die Tektur betrifft, so sei es bei der vierten Änderung um Punkte wie Entwässerung, Brandschutz und Landschaftsschutz gegangen. Diese einzuarbeiten, habe viele Monate in Anspruch genommen. Wenn demnächst alles unter Dach und Fach sei, könne man mit dem Investor vorankommen, so Leidecker. Namen von Investoren und Betreibern konnte er bisher nicht nennen. Seine Aussage, dass man sich „in guten Gesprächen“ befinde, könne er aber jederzeit wiederholen, sagt Leidecker.
Er äußert sich auch, warum die Verwirklichung des Almdorfs, von dem seit 2012 die Rede ist, so lange dauert. „Vor 2019 hätten wir wegen der umfangreichen Genehmigungen nicht starten können. Dann kam Corona, dann die Baukosten-Explosion. Die Gemengelage der letzten zwei Jahre hat die gesamte Immobilienbranche durchgerüttelt“, fügt Leidecker hinzu. Man spüre Ängste und Bedenken bei Investoren. Dennoch nehme der Tegernsee eine Sonderstellung ein, was sich an guter Nachfrage an Hotelbetreibern bemerkbar mache.
Zur Baugenehmigung: Sie gilt laut Landratsamt vier Jahre und könne so oft verlängert werden, wie gewünscht. G. REICHL