Künftig nicht mehr möglich? Eine Prüfungssituation beim Segel-Club Würmsee Starnberg auf dem Starnberger See. © SCW
Starnberg/Berlin – Eine vom Bund geplante Änderung der Sportschifffahrtsverordnung könnte für Segelvereine, Sportbootschulen und die Wasserwacht in Bayern weitreichende Konsequenzen haben. Ein Referentenentwurf des Bundesverkehrsministeriums sieht vor, dass praktische Prüfungen künftig ausschließlich auf Bundeswasserstraßen abzulegen sind. In Bayern gibt es nur eine einzige, die Donau. Etablierte Prüfungsstandorte wie Starnberger See, Ammersee oder Chiemsee würden wegfallen.
Kritik kommt vom Bayerischen Seglerverband (BSV): Segelvereine und Sportbootschulen könnten ihre Praxisprüfungen nicht mehr wie gewohnt an heimischen Gewässern durchführen. Für Ausbilder, Prüfer und Teilnehmer bedeute dies weite Wege, zusätzliche Übernachtungen und einen erheblich höheren Zeit- und Kostenaufwand. Bernd Hassenjuergen, Vorstand beim BSV, sagt: „Für Jugendliche, Studierende und Menschen mit geringerem Einkommen könnte der Sportbootführerschein finanziell kaum noch erreichbar sein.“
Ähnlich sieht das Stefan Eder, Vorsitzender des Segel-Clubs Pilsensee: „Kleine Vereine können das nicht stemmen.“ Für seinen Club mit 150 Mitgliedern und 20 bis 30 Schülern alle zwei Jahre seien Prüfungen auf völlig unbekannten Gewässern nicht machbar. Die Verbände warnen zudem vor möglichen Sicherheitsrisiken. „Wir müssen gewährleisten können, dass unsere Schülerinnen und Schüler das Fahren unter realen Bedingungen erlernen und sicher beherrschen“, erklärt Eder. Der BSV verlangt von der Bundesregierung, den Entwurf grundlegend zu überarbeiten.
Das Bundesverkehrsministerium teilt auf Anfrage mit, dass die zahlreichen Stellungnahmen zum Verordnungsentwurf gerade ausgewertet würden. Deshalb könne man dem laufenden Anhörungsverfahren nicht vorgreifen.
Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kritisiert den Berliner Referentenentwurf. Er sieht auch Probleme auf die Ausbildung in der Wasserwacht zukommen – gerade weil deren Einsätze auf bayerischen Seen stattfinden und nicht auf Bundes- oder Küstengewässern. „Mir erschließt sich nicht, warum der dafür nötige Sportbootführerschein teilweise Hunderte Kilometer vom Einsatzort gemacht werden soll.“ Er werde sich dafür einsetzen, dass Ausbildung und Prüfung weiterhin auch auf bayerischen Gewässern abgelegt werden können.PAULA BRAND