München – Diese Fälschungen sind millionenschwer: Immer mehr Krankenkassen beklagen enormen Schaden durch Rezepte, die illegal bei ihnen eingereicht werden – und professionell manipuliert sind. Die Täter werden der Organisierten Kriminalität zugerechnet, wie die Staatsanwaltschaft München I gestern mitteilte.
„Ende 2023 haben gesetzliche Krankenkassen plötzlich eine Vielzahl von Rezeptfälschungen angezeigt“, erklärt Staatsanwältin Marie-Anne Tokji. Im Fokus seien zunächst Diabetes-Medikamente wie Mounjaro oder Ozempic gewesen. Der Apothekenpreis: 1445 Euro. Per Rezept muss man nur noch eine Zuzahlung von zehn Euro leisten – das versuchen Betrüger auszunutzen.
Die bittere Erkenntnis der Ermittler: Viele der Fälschungen seien leider sehr gut gemacht. Und: Zwischen der Ausführung und dem Entdecken der Tat lagen oftmals Wochen und sogar Monate, weil die Überprüfung erst beginnen kann, wenn die Apotheke das Rezept bei der Krankenkasse einreicht. Das macht die Aufklärung schwierig.
Drei Täter konnten die Ermittler allerdings beim Einlösen auf frischer Tat erwischen: Die Betrüger hatten 15 Münchner Apotheken abgezockt und erhielten Gefängnisstrafen zwischen zwei Jahren und sechs Monaten bis hin zu zwei Jahren und elf Monaten. Aber: „Sie waren nur kleine Rädchen in der großen Maschinerie“, sagt Tokji. Das ergab die Handy-Auswertung. Denn Rezepte werden in großem Stil professionell gefälscht – und neue Täter, die sie in Apotheken einlösen, bei Telegram angeworben. 50 bis 100 Euro Honorar kriegen sie für ein eingelöstes Rezept. Über 400 Täter gebe es bundesweit. Allein die Barmer-Krankenkasse beklagt im Zeitraum Juli 2024 bis August 2025 einen Schaden in Höhe von 2,5 Millionen Euro – bundesweit aus 2387 Fällen.
Im Fokus der Betrüger liegen mittlerweile besonders teure Krebsmedikamente, die im Preis bei bis zu 6000 Euro pro Packung liegen. Die Staatsanwaltschaft greift hart durch: Aktuell sitzen noch zwölf Beschuldigte im Untersuchungshaft. ANDREAS THIEME