Wie Max I. Joseph Hof hielt

von Redaktion

Frack statt Ornat: Neue Forschung über bayerischen König

Nur selten im Ornat: König Max I. Joseph auf einem Gemälde des Hofmalers Stieler. © Bayerische Schlösserverwaltung

München – Kein Jubiläum ohne neue Bücher – wenn es bei den bayerischen Königen etwas zu gedenken oder zu feiern gibt, liefert die bayerische Landesgeschichte zuverlässig. So auch zu Bayerns ersten König Max I. Joseph, dessen Todestag sich – nur wenige werden es wissen – am 13. Oktober zum 200. Mal jährte. Dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv ist das derzeit (noch bis 19. Dezember) eine Ausstellung über Max und die Frauen wert – begleitet von einem dicken, reichhaltig bebilderten Ausstellungskatalog. Dass auf Max das eigentümlicherweise mit „f“ geschriebene Max-Josef-Stift ( „Erziehungsinstitut für die weibliche Jugend höherer Stände“) zurückgeht, ist bekannt, wird aber erneut ausgebreitet.

Insgesamt irritiert das Thema. Man wird Max I. Joseph kaum als Vorreiter der Geschlechtergerechtigkeit bezeichnen können, dafür war sein Frauenbild viel zu barock, ja archaisch. Auch die im Katalog ausgebreiteten innigen Verhältnisse des Königs zu seinen Ehefrauen – man schrieb sich bei Abwesenheit täglich auf Französisch – sind eher was für Feinschmecker.

Deutlich ambitionierter ist die voluminöse Studie von Maximilian Vissers über die Hofgesellschaft von König Max, diskutiert der auch mit der internationalen Adels-Forschung vertraute Autor dabei doch unter anderem die Frage, ob sich bei dem Wittelsbacher Tendenzen einer „Verbürgerlichung“ (so der Historiker Eberhard Weiß) durchsetzten. Immerhin verzichtete Max I. Joseph und nach ihm auch alle anderen Wittelsbacher auf Krönungszeremonien, wurden Ornat, Szepter und Krone nur höchst selten benutzt, und verließen sich bei wichtigen politischen Entscheidungen immer weniger auf alte adlige Einflüsterer, sondern auf geschulte Beamte – wie man am Einfluss von Montgelas deutlich sieht.

Vissers schränkt diese Annahme jedoch ein. Speziell der Hofstaat, der bis zu 1800 Personen umfasste (nach Wien und Berlin der größte Europas), hielt eher archaisch anmutende Riten in zweifelhaften Ehren. Schon allein der Zugang in diese verschlossene Gesellschaft sprach Bände: Neben Angehörigen des Ur- und Briefadels (schon vor 1350 nachweisbar) durften sich auch französische und italienische Adelsfamilien (Exilanten aus der Revolutionszeit) am Hof des bayerischen Königs tummeln. Hinzu kamen altbayerische Grafen-Geschlechter wie die von Berchems, von Lerchenfelds und von Preysings. Klassisches Bürgertum, Leute, die sich nicht qua Herkunft, sondern qua Bildung und wirtschaftlichen Erfolg auszeichneten, waren eher die Ausnahme.

Vissers‘ detaillierte Ausführungen zum Hofzeremoniell lesen sich hochinteressant und führen in eine vergangene Welt. Botschafter anderer Staaten etwa mussten sich, wenn Max sie empfing, beim Durchschreiten des Audienzzimmers drei Mal verbeugen, ehe sie zum König gelangten, der erhöht unter einem Thronhimmel stand. Bei der Brautwerbung um die Gunst einer der vielen Töchter trug der Botschafter den Antrag in Anwesenheit der Prinzessin vor und übergab ihr ein gemaltes Porträt des künftigen Ehegatten.

Modische Koteletten als Markenzeichen

Was wiederum für die Verbürgerlichung spricht: Der König trug bei solchen Anlässen oft Frack statt Ornat, modische Koteletten und kurze Haare. Aber das wiegt nicht so schwer. Insgesamt, so resümiert der Autor, nutzte Max I. Joseph die Hofhaltung selbstbewusst zur Darstellung seines hohen Rangs. Auch wenn er als politisches Handlungsinstrument an Bedeutung verlor – hier verließ er sich dann doch eher auf Montgelas –, blieb der Hof als Forum der Kommunikation und kulturelles Zentrum intakt.

Bleibt die Frage, was es denn 2026 zu würdigen und gedenken gibt. Der 140. Todestag von König Ludwig II. vielleicht? Man wird sehen, was sich die bayerische Landesgeschichte einfallen lässt.DIRK WALTER

Die Bücher

Max I. Joseph und die Frauen. Ausstellungskatalog der Staatlichen Archive Bayerns (zu beziehen im Buchhandel oder im Archiv), 444 S., 25 Euro.
Maximilian Vissers: Der Hof Max‘ I. Joseph von Bayern. Hofstaat und Hofgesellschaft, C. H. Beck Verlag, 754 S., 69 Euro.

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