DAS PORTRÄT

Die Zwillingsärzte von Agatharied

von Redaktion

Martin (l.) und Thomas von Ahnen. © tp

Thomas und Martin von Ahnen möchten es ihren Kollegen leichter machen. Deshalb haben sie schon vor 15 Jahren ein berufliches Unterscheidungsmerkmal eingeführt. Thomas trägt einen blauen Arztkittel, Martin einen grünen. Denn die 41-jährigen Zwillinge arbeiten beide am Krankenhaus Agatharied. Beide als Viszeralchirurgen. Allerdings würden ihre Kollegen sie ohnehin nicht verwechseln, berichten sie. „Es gibt ja Unterschiede – trotz der optischen Ähnlichkeit“, sagt Martin von Ahnen. Er selbst arbeite zielstrebig und schnell, sein Bruder mit etwas mehr Ruhe. Allerdings zählt für beide höchste Präzision. Ihren Patienten gegenüber kommunzieren sie ganz klar, dass es sie im Doppelpack gibt. „Wir sagen bespielsweise bei der Visite: Morgen übernimmt mein Bruder, der sieht genauso aus wie ich.“

Natürlich kam es in ihrem Leben aber immer mal wieder zu Verwechslungen. Zum Beispiel während des Studiums. Bei der Immatrikulation wurde Martins elektronische Akte mit der seines Bruders überschrieben. „Ein Vierteljahr war ich deshalb ein Geisterstudent“, sagt er und lacht. Als dann geklärt war, dass sie Zwillinge sind, wurden ihre Prüfungstermine überlappend angesetzt, damit nicht einer zweimal zur Prüfung geht. Da die beiden aus Miesbach kommen, war es naheliegend, dass sie ihr Praktikum im Klinikum Agatharied absolvieren. Beide fanden die Kollegen und die Atmosphäre so gut, dass sie blieben. Und glücklicherweise gab es damals gerade zwei freie Stellen. Wie gemacht für Zwillings-Ärzte. Bei Operationen haben die beiden unterschiedliche Schwerpunkte – Onkologie machen sie aber beide. Und einmal im Monat fahren sie gemeinsam Notarzt-Dienst. „Dann ist es ein besonderer Vorteil, dass wir so gut eingespielt sind“, sagt Thomas von Ahnen. Natürlich ist das für die Patienten hin und wieder verstörend.

Es kam in den vergangenen 41 Jahren kaum vor, dass die beiden mal über längere Zeit getrennt waren. Sie funktionieren eben einfach viel zu gut als Doppelpack.BETTINA STUHLWEISSENBURG

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