Zu Weihnachten wollen sich viele etwas gönnen. Doch nicht um jeden Preis, rät die Verbraucherschützerin. Bei billigen Produkten aus China ist Vorsicht geboten. © Michael Reichel
Berlin – In der Vorweihnachtszeit haben Betrüger Hochsaison. Ramona Pop, Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, erklärt im Interview, worauf Kunden achten müssen.
Frau Pop, Weihnachten steht vor der Tür – werden die Menschen zu dieser Zeit mehr betrogen und getäuscht als im restlichen Jahr?
Gerade online liegt einiges im Argen. Vor Weihnachten wird die Kauflaune der Menschen leider besonders ausgenutzt, beispielsweise von Fake-Shops, wo sie ihr Geld lassen, aber keine Ware bekommen. Auch gewisse Manipulationen wie vermeintliche Sonderangebote oder eine angeblich begrenzte Stückzahl, die einen mit sehr viel Druck zum Kaufen drängt, sind ein besonderes Ärgernis. Ein Tipp: Der Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale zeigt ganz schnell, ob eine Seite vertrauenswürdig oder bedenklich ist.
Wie sieht es mit den vielen ungeliebten Geschenken und dem Zurücksenden aus?
Auch da gibt es oft Ärger. Es gibt in der EU ein Widerrufsrecht von 14 Tagen bei Online-Käufen, das aber nicht immer uneingeschränkt angewendet wird. Außerdem ist es online immer schwerer nachzuvollziehen, ob ein Händler in der EU oder woanders sitzt. Oft kommt das böse Erwachen, wenn man etwas zurückschicken möchte und sieht, dass das 30 Euro kostet und nach China muss. Genau hinschauen sollten die Menschen auch beim Lebensmitteleinkauf.
Was meinen Sie?
Die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen, aber gerade in der Weihnachtszeit sieht man einen weiteren Preisanstieg. Gerade bei beliebten Weihnachtsprodukten wie Schokolade erschrickt man beim Blick aufs Preisschild oft. Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir einen großen Preissprung. Im Lebensmittelbereich ist das ganz eindeutig, mit Weihnachtsmännern und Co. soll extra viel verdient werden.
Wie können Lebensmittel günstiger werden?
Es gibt etwa die Idee, gesunde Lebensmittel mit einer niedrigeren oder gar keiner Mehrwertsteuer zu belegen. Dann hätten Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Gastronomie gleichermaßen etwas davon. Aber überall gilt: Wenn die Steuer gesenkt wird, muss das bei den Menschen ankommen. Zudem braucht es mehr Transparenz, wie die Preissteigerungen bei Lebensmitteln zustande kommen und wer davon profitiert. Wir fordern darüber hinaus, dass Mogelpackungen als solche gekennzeichnet werden müssen.
Mogelpackungen?
Wenn bei einem Produkt die Menge oder der Inhalt reduziert wird, die Verpackung aber gleich bleibt. In Ländern wie Frankreich oder Ungarn ist es längst üblich, dass so etwas gekennzeichnet werden muss.
Wie stehen Sie zum EU-Urteil, dass vegane Produkte sich mit Verweis auf Verbrauchertäuschung nicht mehr Schnitzel und Co nennen dürfen?
Man wundert sich, wo das Europäische Parlament teilweise seine Prioritäten setzt. Es gibt aus unserer Sicht drängendere Fragen. Auch weil die Produkte sehr gut auseinanderzuhalten sind. Auf dem einen steht Schnitzel, auf dem anderen Veggie-Schnitzel oder Ähnliches. Außerdem sind die Produkte im Supermarkt oft auch in ganz unterschiedlichen Regalen zu finden. Diese Unterscheidung schafft jede Verbraucherin und jeder Verbraucher. Das zeigen auch Untersuchungen.
Sie sind also gegen das Verbot?
Ich halte davon nichts. Zumal es in unserem Sprachgebrauch ja auch andere verwirrende Wortkonstruktionen gibt, auf die man dann schauen müsste. So ist etwa in einem Lammlachs ebenso wenig Fisch drin, wie eine Salamibrezel ein Bäckereiprodukt ist.
Für Ärger sorgen auch immer wieder chinesische Billiganbieter wie Temu oder Shein.
Ja, aktuelle Tests wie von der Stiftung Warentest zeigen, dass ein großer Teil der Waren fehlerhaft ist, nicht unseren Sicherheitsanforderungen entspricht oder sogar grob sicherheits- oder gesundheitsgefährdend ist. So fangen zum Beispiel Elektrogeräte zu brennen an. Da sollten die Menschen sehr vorsichtig sein beim Kauf. Die Schnäppchen sind natürlich verlockend, aber eben auch oft mit Enttäuschungen oder Gefährdungen behaftet.
Was tun, um solche Gefahren einzudämmen?
Die EU muss schon bestehende Gesetze der Produktsicherheit endlich durchsetzen. Außerdem gibt es Verfahren der EU gegen Billiganbieter, die schon länger laufen, anstatt Ergebnisse zu liefern. In der Zwischenzeit wird massenhaft gefährliche Ware nach Europa gebracht. Wenn das geltende Recht nicht ausreicht, muss man die Plattformen selbst in Haftung nehmen.