Ohne Kunstschnee geht‘s nicht

von Redaktion

Kaum Niederschlag in den Skigebieten – Winterwandern als Alternative

Schneekanonen: Auch in Füssen können Skifahrer nur auf Kunstschnee fahren. © Karl-josef Hildenbrand/dpa

Abflug: Einige Winterwanderer fliegen am Brauneck, wo kaum Schnee liegt, mit Gleitschirmen zurück ins Tal. © M. Becker

Garmisch/Spitzingsee – Zum Start der Skisaison sah es erst ganz gut aus: „Da hatten wir Naturschnee“, berichtet Egid Stadler. „Aber der ist mittlerweile weggeschmolzen.“ Es ist zu warm. Schockieren kann den Sprecher der Alpen-Plus-Skigebiete, die in den Kreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen liegen, so eine Wetterlage schon lang nicht mehr. Das ist in den vergangenen Jahren genauso gewesen. Seine Devise: „Ohne Kunstschnee geht es nicht.“

Schneekanonen statt Schneewolken: Die Zeit um Weihnachten und den Jahreswechsel gilt in den Bergen eigentlich als erster Höhepunkt der Wintersport-Saison. Doch der Klimawandel macht sich bemerkbar, und es liegt vielerorts weniger Schnee als sonst. Skifahrer in Bayern, Österreich, der Schweiz und Italien müssen sich umstellen. Denn die meisten Pisten unterhalb von 2000 Metern sind nur dank Kunstschnee befahrbar.

So wie in den Alpen-Plus-Skigebieten. „Es sind bei uns nur die Pisten geöffnet, die künstlich beschneit sind“, erklärt Stadler. So sind im Sudelfeld aktuell 15 von 27 Pisten sowie neun von 13 Liftanlagen in Betrieb, zum Beispiel die Waldkopfbahn oder die Sudelfeldkopfbahn. Am Skigebiet Brauneck-Wegscheid laufen derzeit sechs von zwölf Anlagen, allerdings sind nur fünf von 24 Pisten offen. Am Spitzingsee sind vier von elf Anlagen nutzbar, auf drei von neun Pisten sausen Wintersportler runter. „Viele Eingefleischte kommen.“ Doch nicht nur die: Die Investitionen in die Beschneiungs-Anlagen hätten sich gelohnt. Ein klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz ohne Kunstschnee. „Da konzentriert es sich bei uns mit den Skifahrern.“

Gut besucht ist auch die Zugspitze, berichtet Klaus Schanda, Sprecher der Zugspitzbahnen: Im oberen Teil ab 2000 Metern gebe es genug Naturschnee. „Da haben wir gute Bedingungen für Skifahrer.“ Daher seien alle Bahnen, bis auf den unteren Brunntallift, sowie die meisten Pisten geöffnet. Im unteren Garmisch-Classic-Gebiet ist die Lage zweigeteilt. So sind etwa Hausberg und Kreuzeck dank Maschinenschnee gut befahrbar. Im Alpspitzgebiet hingegen ist gerade kein Skibetrieb möglich. Deshalb sind die Pisten dort für Fußgänger zum Winterwandern freigegeben.

Schanda verrät einen Tourentipp: Wanderer können mit der Kreuzeckbahn hochfahren und weiter zur Hochalmbahn laufen. Von dort gelangen sie mit der Hochalmbahn auf den Osterfelderkopf, wo Gastronomie und Aussichtsplattform geöffnet sind. Mit der Alpspitzbahn geht es dann wieder runter. Am Wank hat man bereits vor 20 Jahren auf Winterwandern umgestellt. „Man muss Alternativen suchen.“ Das Winterwandern ist ein beliebter Trend, der sich auch anderswo bemerkbar macht. Am Brauneck fliegen einige der Wanderer sogar per Gleitschirm runter ins Tal. Das Skitourengehen ist in Bayern auch nur dort möglich, wo Kunstschnee liegt, berichten Experten. Im freien Gelände sei es gerade nur wenig sinnvoll.

In den Nachbarländern sieht die Lage ähnlich aus: In Österreich mussten kleinere Skigebiete wegen zu hoher Temperaturen den Betrieb ruhen lassen. Inzwischen laufen die Lifte wieder – dank Schneekanonen. Große Skizentren haben Depots mit Kunstschnee angelegt. Die meisten Anlagen sind deshalb offen, heißt es etwa in Saalbach-Hinterglemm. „Wenn es künstliche Beschneiung nicht geben würde, wäre es ganz, ganz schwierig mit dem Skisport“, meint Wolfgang Breitfuß, Tourismus-Chef von Saalbach.

Konkret zeigt sich die Problematik im beliebten Skigebiet Graukogel in Bad Gastein, das wegen geringer Schneefälle bis 2028 pausiert. In der Schweiz gibt es teils deutlich weniger Schnee als im 30-jährigen Mittel. „Es herrscht relativ große Trockenheit“, sagt Klimatologe Christoph Marty vom Institut für Schnee und Lawinenforschung in Davos. Erst rund ein Drittel der gut 1 800 Liftanlagen sind in Betrieb. Auch in Italien sind in den Tälern die Hänge oft neben den mit Kunstschnee präparierten Pisten grün. „Die Situation ist leicht schlechter als in den Vorjahren“, sagt Marco Zardini, Präsident der Liftgenossenschaft in Cortina d‘Ampezzo, wo im Februar Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Für die sehe man keine Probleme. Und: Man hofft, bis Weihnachten alle Pisten öffnen zu können. Denn es soll nun kälter werden, was eine Beschneiung begünstigt. Auch in Bayern. Richtig viel Naturschnee erwartet Stadler von Alpen Plus erst im neuen Jahr. „Das wäre gut fürs Winterfeeling.“ MARLENE KADACH

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