Pfarrer Josef Mayer vor der Basilika am Petersberg im Kreis Dachau. © Marcus Schlaf
Erdweg – Sein Lachen wird fehlen auf dem Petersberg. Wenn Pfarrer Josef Mayer, Direktor der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg, durch die Bildungseinrichtung eilt, hat er für jeden ein gutes Wort. Der 65-Jährige ist ein Gemütsmensch, der Menschen verbindet, gut vermitteln kann, wenn es hakelt zwischen Landwirtschaft und Kirche, zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern. Sein Rat und sein Geschick als Mediator waren häufig gefragt in den über 25 Jahren, in denen er den Petersberg im Kreis Dachau geleitet hat und Landvolk-Pfarrer war. Zum Ende des Jahres endet seine Aufgabe hier, Mayer wird im Mai Leiter des Pfarrverbandes Odelzhausen.
Ob beim großen Milchstreik 2008, als die Bauern wegen des niedrigen Preises ihre Milch in Güllegruben geschüttet haben, ob beim Streit zwischen dem Bauernverband und dem Bund Deutscher Milchviehhalter, wo der Riss zum Teil durch die Familien ging, ob beim Ärger der Bauern über Kirchenpapiere zum Umweltschutz: Josef Mayer war als Vermittler gefragt. „Ich brauch den Pfarrer Mayer“, wird Kardinal Reinhard Marx zitiert, wenn es mal wieder brennt auf dem Land. Josef Mayer trifft den richtigen Ton. Er hört genau zu, wenn ihm die Bauern ihr Leid klagen. Wenn es Streit gibt bei der Hofübergabe, wenn Landwirte sich an den Pranger gestellt fühlen. Mayer stammt selber von einem Bauernhof im schwäbischen Gennach. Er kennt die Schwingungen auf dem Land.
„Der Druck ist größer geworden bei den Landwirten“, sagt er. Die BSE-Krise zum Jahrtausendwechsel war der Start für Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung. Seither seien die Anfechtungen größer geworden. „Die Bauern haben manchmal das Gefühl, sie seien die Einzigen, denen man den Klimawandel anlastet.“ Dazu kommt, dass bei nichts so sehr gespart wird wie bei Lebensmitteln. Jeder müsse aber seinen eigenen Lebensstil ändern, anstatt einer Gruppe vorzuschreiben, wie sie leben soll, sagt Mayer. Es gebe in der Landwirtschaft Bauern, die grobe Böcke geschossen haben – wie auch in der Kirche. Wenn etwas passiere, werde es schnell allen angelastet. Wer an den Pranger gestellt wird, reagiert auf die kleinste Kleinigkeit höchst sensibel. Seine Strategie: „Die müssen alle an einen Tisch. Man muss miteinander reden, bevor es weiter eskaliert.“ Die Krisen hatten immer damit zu tun, dass das Gefühl da war: „Wir werden verurteilt und haben niemanden, der uns zur Seite steht.“ Es sei die größte Katastrophe für Deutschland, dass sich so viele auf dem Land der AfD zuwenden. Die Rechten erreichten die Menschen über die reine Angstmacherei. Aus der Corona-Krise müsse man lernen: Wenn die Menschen nicht mehr miteinander reden, dann entstehe Quatschdenken.
Als kürzlich ein Experten-Papier der Deutschen Bischofskonferenz die Landwirtschaft als „Hauptverursacher für negative Veränderungen der Erdoberfläche“ brandmarkte, krachte es wieder zwischen Land und Klerus. Pfarrer Mayer musste wieder ran, vermittelte ein Gespräch zwischen Bauern und Kardinal Reinhard Marx, das die Wogen glätten sollte. Marx war zwar nicht verantwortlich für das Expertenpapier, aber er hat auch durch Mayer verstanden, wie wichtig das Gespräch ist. Nicht zuletzt sind es auf dem Land viele Bauern, die das kirchliche Leben wesentlich mittragen.
Josef Mayer ist eine Art moderner Don Camillo. Allerdings einer, der nicht auf den ersten Blick als Priester auffällt. „Haben Sie kein Collarhemd?“, hat Kardinal Marx ihn beim ersten Zusammentreffen gerügt. „Nie gehabt“, antwortete er. Und er werde auch künftig keines tragen. Obwohl das dem Kardinal nicht gefallen hat, lernte er Mayers Fähigkeiten zu schätzen. Und dessen engen Draht zur Landbevölkerung.
In jüngeren Jahren war Mayer Landjugendpfarrer im Erzbistum. Damals stand eine große Sanierung der Landvolkshochschule Petersberg an. „Wir von der Landjugend haben gekämpft um diese Einrichtung. Der Petersberg darf nicht sterben – das war unser Motto.“ Mayer bekam einen kräftigen Rüffel im Ordinariat. Im Jahr 2000 hieß es dann aber: „Wer so für eine Einrichtung kämpft, der muss sie übernehmen.“
Der Petersberg blieb Baustelle. Auch inhaltlich in der Bildungsarbeit. Mayer und seine Mitarbeiter haben Seminare entwickelt, die nicht verkopft sind, sondern die Persönlichkeitsbildung fördern. „Einfach leben“ etwa, wo sich junge Erwachsene zu Orientierungskursen treffen. Mit seinem Wechsel in die Pfarrseelsorge wollte er sicherstellen, dass er einen Nachfolger auf dem Petersberg bekommt, sagt Mayer. „Ich habe viele Hofübergaben begleitet. Wenn es nötig war, habe ich den Altenteilern offen gesagt: Ihr müsst auch loslassen können.“ Das gilt auch für ihn.
Mayers Position war im Stellenplan angesichts der Priestermangels nicht vorgesehen. „Das hätte bedeutet: Es gibt keinen Nachfolger.“ Den Petersberg ohne geistlichen Direktor konnte sich Mayer nicht vorstellen: Daher bot er an zu gehen, „damit jemand kommt“. Mayers Plan ging auf: Domvikar Thomas Belitzer (40) wird neuer Geistlicher Direktor auf dem Petersberg.CLAUDIA MÖLLERS