Am Seeufer war es still, aber plötzlich krachte etwas. „Klara, komm schnell!“, rief ich. „Die Zweibeiner fällen gerade einen Tannenbaum! Was wollen sie nur damit?“ Klara kam näher und flüsterte: „Vielleicht ein Riesen-Besen?“ „Keineswegs“, klang eine heisere Stimme von oben. Auf einem Ast saß Waldkauz Ulrich. „Meine lieben Enten, die Zweibeiner dort nehmen die Tanne mit und stellen sie in ihre Wohnung – als Weihnachtsbaum. Viele Zweibeiner in der Stadt haben keinen Garten. Darum fällen sie einen Baum und holen ihn ins Wohnzimmer.“ Klara wirkte fasziniert. „Und warum schmücken wir überhaupt einen Baum?“ Ich fand die Frage gut, konnte sie aber nicht beantworten. Ulrich hingegen begann zu erzählen: „Schon vor langer Zeit holten Zweibeiner grüne Zweige ins Haus, wenn draußen im Winter alles abgestorben war. Das gab ihnen Hoffnung. Aus den Zweigen wurden später ganze Tannenbäume.“ „Also ein Mutmach-Baum“, flüsterte Klara. „Genau. Im 16. Jahrhundert tauchten die ersten richtigen Weihnachtsbäume auf. Bald schmückten die Zweibeiner Tannen so gern, dass man das Baumfällen begrenzen musste.“ Ich war erstaunt, doch Ulrich war noch nicht fertig. Er erklärte, warum die Bäume mit Lichtern geschmückt werden: „Es heißt, Martin Luther sei bei einem nächtlichen Spaziergang im Wald auf die Idee gekommen, Kerzen an den Baum zu setzen, um das Leuchten der Sterne nachzuahmen.“ Klara staunte. „So holte er den Sternenhimmel ins Wohnzimmer.“
Eure Paula